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tauchte in das Gemüth Emmelinens, als wolle er daſelbſt die Vervollſtändi⸗ gung des Lebens ſuchen, die ihm bis dahin gefehlt hatte.
—„Verflucht ſei* Welt! Vielleicht war hier das Glük zu finden!“ dachte er.„Und jezt
„Ach, ja, ich ſehe es, Sie werden für mich bitten. Ich wil Sie ſo ſehr lieben! Aber warum liebe ich Sie?“
—„Warum Sie mich lieben, Emmeline?“ Und Moritz fühlte ſein zwanzigjähriges Herz, ſein bis dahin erſtarrtes, erſtorbenes Herz in ſich auf— leben; aber es war nur eine galvaniſche Zukung.
Das todte Herz ſank wieder in Erſtarrung.
Frau von Nangis trat ein.
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Es wurden alle Anſtalten zur Hochzeit getroffen und Emmeline hoffte noch immer.„Er hat es verſprochen, mich zu ſchüzen, ſein Blik wenigſtens hat es verſprochen.“
Und Emmeline vertraute auf ihn, und ſah nichts von Allem dem, was ſie umgab. Noch immer ließ ſie ihre Gedanken nach dem Himmel zu ſchweben, den ſie ſich ſelbſt gebaut hatte. Es verhüllten ihn wohl Wolken, aber die Morgenwolken ſind ja ſo leicht! Ach, wenn die arme unwiſſende Emmeline ge— wußt hätte!— Sie hätte wenigſtens nicht gehofft. Aber ſie wußte nicht, daß eine alte Frau niemals mit einer jungen oder einem Mädchen Mitleid hat, und daß ein Mann oft ſeine Eigenliebe höher hält, als ſeine Liebe.
Mit einem Blike hatte Frau von Nangis errathen, was in dem Herzen des Herrn Moritz von Tercy vorging; ſie hatte ihn unter den Strahlen dieſer jungen Liebe neu aufleben und aufblühen ſehen und vertroknete ihn von neuem.
Für einen Geken iſt ein Triumph kein Triumph, wenn er nicht bekannt und beneidet wird, und ſeine Augen heften ſich weniger auf das Ziel, als auf die Zuſchauer, welche ihn dahin gelangen ſehen. Dieſen Triumph für Morttz, beſonders aber für die andern zweifelhaft machen, war das ſichere Mittel, ihm den Eifer wiederzugeben, der erſchlafft zu ſein ſchien, und Frau von Nangis ergriff es. Er mußte einen Augenblik glauben, überholt zu ſein, und dann, würde ihm Emmeline gewiß nur eine Schranke ſein, die zertrümmert wer⸗ den müſſe.
Frau von Nangis umringte ſich des halb mit mehr Schmeichlern und An⸗ betern als gewöhnlich, und ſchien ihnen gnädiger als je zu ſein, ſo daß Je— dermann fragte: Iſt Moritz von Terey der Geliebte der Frau von Nangis, oder iſt er es nicht?
Moritz ſah dieſen Zweifel und erzürnte ſich darüber. Um ihn zu verdrän⸗ gen, entſagte er Allem, was gut an ihm war, und der Lärm der Eitelkeit übertäubte die Stimme ſeines Herzens.
Hatte es ihm Mühe gekoſtet, den Triumph zu erringen? Vielleicht, ja. Hatte er nöthig, ihn bekannt zu machen? Nein. Die jungen Frauen verber⸗ gen eine Liebesverbindung, die nicht⸗jungen zeigen ſie.


