Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
368
 
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blauem, roſenrothem oder lichtgrünem Aero phan⸗Mouſſelin, mit weißen Blumen oder Palmen beſäet; einige Kleider waren von lichtfarbigen Seiden-Guingans; andere von weißem Organdie mit Stitercien von verſchie⸗ denen Farben beſäet.

2. um den Pferderennen beizuwohnen erſcheint man auch in Peignoirs von Mouſſe⸗ lin, mit ſtrohfarbigem, roſenrothem oder li lasfarbigem Taffet gefuttert; die einen ſind mit Partſer Stikereien bereichert, andere mit Spizen garnirt und noch andere mit kleinen Bouquets beſäet.

3. Man hat daſelbſt auch Pelerinen, die lang, rund, geſpizt, kurz von jeder Art,, aber bewunderungswürdig in Hinſicht der Vollendung ihrer Arbeit ſind. Auch ſieht man vlele lange Mantelets- Pelerinen von geſtik tem Mouſſelin und mit einer hohen Spize garnirt.

4. Ein Pariſer Blatt ſagt Folgendes: Wie viele Damen verlieren von ihren Vor zügen durch die lächerliche Manier, mit wel cher ſie ſich kleiden! Ihr müßt nicht glauben, weil Mad. X ſo oder ſo einen Anzug hat, Ihr ihn auch tragen könntet. Mad. X kann groß, weiß, blond ſein; und Ihr klein, braun und ſchwarze Haare haben. Das alſo, was für Mad. X paßt, ſchikt ſich nicht für Euch: Ihr werdet allerdings antworten:Ja, es iſt einmal Mode, und mit dieſem großen Argument glaubt man Alles zu gewinnen. Gut, ich weiß es, es iſt Mode; aber die Mode tann modiſizirt, kann unzählige Mal verän⸗ dert werden, ohne von ihrem urſprünglichen Stande etwas zu verlieren, gleich; den Va⸗ riationen eines Muſikſtükes, worin man das Thema ſtets wiederfindet. Eine kleine Perſon muß große Hüte, hohe Garnituren, kurze Kleider und zu breite Aermel vermeiden; eine große Perſon wieder kleine Hüte, und enge Kleider(welche einem großen Körper den Anſchein geben, als wäre er in; einem Futteral eingeſchloſſen); ſie muß ihre Klei⸗ der, von Seide oder Mouſſelin, geſteift tra⸗ gen, die Taille muß ſo lang als möglich, der Leib drapirt ſein oder eine große pelerine ha⸗ ben, die Aermel müſſen ſehr weit ſein, kurz alles, was ihre Breite vermehrt, verringert ihre Länge. Ich bemerkte, daß alle braune Frauen ſehr ſchillernde Farben lieben, wie 3. B. goldgelb, hochroth, lebhaft roſenroth,

orangengelb; das iſt ein großer Verſtoß ge · gen den Geſchmak. Man muß ein ſehr wei⸗ ßes und friſches Geſicht haben, um dieſe gläu⸗ zende Farben ertragen zu tonnen, lionſt find ſie im Allgemeinen ſehr gemein. Blau iſt, meiner Einſicht nach, die ausgezeichnetſte Jar⸗ be; kaum einige Ausnahmen abgerechnet, ſte· het ſie allen Perſonen gut. Rathen würde ich aber die Farben: Tourterelle, apfelgrün, gorge- pigeon, Lichtbois, Milchkaffe, friſche But⸗ ter zu vermeiden. Dieſe Farben ſtehen aller Welt ſchlecht. Das Schwarze ſteht mit vollem Rechte in gutem Rufe, es liegt etwas Poeſie in einer ſchwarz gekleideten Dame. Die ſo verführeriſchen Spanlerinen und venetilani ſchen Frauen tragen gar nichts Andercs(7).

5. Man tragt viele Hüte von gehefte⸗ tem Stroh; man hat welche, deren Preis, wegen der vollendeten Arbeit, ſehr hoch iſt Man ziert ſie nie mehr als mit einem Bande; die einzige zuläſſige Neuerung wäre ein Bou⸗ quet. Feldblumen.

6. Man ſieht viole ueberroke von ge⸗ ſtiktem Batiſt auf Uunterkleidern von geſtiktem Batiſt. Die Pelerinen dieſer ueberrote ſind doppelreihig und mit Valencienner Spizen garnirt. Dieſe Spizen ſind von ſolcher Höhe und ſolcher Feinheit, daß man ihren Werth manchmal von 1300-1800 Franken angibt.

7. Die Fraks der Elegants haben et⸗ nen vierekigen Kragen. Des Morgens wer den ſie bis zum Halſe zugeknöpft. Wir be⸗ merkten viele, deren Farbe melirt⸗bronze und drachengrün war. Die ciſelirten Knöpfe ſind immer in der Mode.

8. Die Gilets haben einen Schawl⸗ kragen oder werden gerade zugeknöpft. Man tragt viele von Seiden⸗ oder Cachemir⸗ Stoff; aber unſere Faſhionables ziehen die ſoge⸗ nannten ecorce de Siam(Siam- Rinde) und die klaſſiſchen piqus broché vor.

9. Die Herrenhüte varliren nicht ſehr in der Form. In den erſten ſchöͤnen Tagen find wieder mehrere graue Hüte zum Vor- ſchein gekommen.

Modenbild. Nr. 24.

ariſer Anzüge vom 25. Mai Reisſtrohhut mit Federn geziert. Kleid von gedruttem Mouſſelin a la Caravane. Draplrte pelerine. Die ſizende Dame zeigt die Form dieſes Anzuges von der Rukfeite. ö

Herausgeber und Verleger Franz Biesen.