Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
356
 
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Emmeline machte große Augen. f

Sich ein erwachſenes Mädchen nennen zu bören! Wäre ſie nicht gar ſo ſehr erſtaunt geweſen, oder vielmehr, hätte ſie ſich nicht gar ſo ſehr vor ihrer Großmutter gefürchtet, ſo würde Emmmeline gewiß über diesberſtändig ge⸗ lacht haben. Es klang ſo ſonderbar in dem Munde der Frau von Nanglis, wie Orgelakkord mitten in einem Strauß'ſchen Walzer. 5

Emmeline, ich will dich verheirathen. Herr von Terey..

Emmeline ſchrie laut auf.Mich verheirathen! Mich verheirathen! Ach du lieber Gott!

Emmeline hatte noch nie an einen Mann gedacht. Sie hatte ſich wohl in ibren Mädchenträumen in Ballkleidern, mit einem Roſenkranze im Haar, in Atlasſchuhen in dem glänzenden Saale tanzen ſehen, aber an nichts als an das Vergnügen gedacht. Und in dem Alter Emmelinens füllt dies allein den Kopf und vielleicht auch das Herz.

Ein Mann kam übrigens Emmelinen vor wie ihre verwandelte Großmut⸗ ter. Hatte man ſie nicht im Kloſter mit einem Manne zu fürchten gemacht, wie man die Kinder mit dem Knecht Ruprecht oder dem Eſſenkehrer ängſtigt? Ein Eſſenkehrer iſt in den Augen eines Kindes nicht ſchwärzer, als ein Mann in denen Emmelinens war. 0

Die arme Kleine bat deshalb um Gnade, aber die Großmutter hatte ſie ſo erſchrekt, daß die Worte, welche ſie hervorſtotterte, auch für eine Zuſtim⸗ mung gehalten werden konnten. 10 5

Sie lächelte ſie an, ſchikte ſie dann wieder fort und erlaubte ihr, die Kinderſchuhe auszuziehen, und wie eine junge Dame ſich zu benehmen.

Das war eine Verſüßung des Schmerzes für Emmeline.

(Fortſezung folgt.)

Woher rührt der Gebrauch der gefärbten Oſtere ler?

Aelius Lampribius, einer der ſechs römiſchen Geſchichtſchreiber der Kal ſer von Hadrian bis Valerian, erzählt, daß eine Henne der Mutter des Mar cus Aurelius bei ſeiner Geburt ein rothes Ei gelegt, und ein Wahrſager dies dahin gedeutet habe, daß dieſes Kind Kaiſer werden würde. Weil nun dies im Jahre 224 wirklich erfolgte, ſo pflegte man bei der Geburt der Kin der und andern fröhlichen Ereigniſſen als Glükwunſch ein rothes Ei zu geben. Dieſen Gebrauch führten nun auch die Chriſten bei dem freudigſten Ereigniſſe, der Auferſtehung Jeſu ein. Daher auch der Sinn und die Bedeutung des ſo unterhaltenden Kinderfeſtes.

5 9 Corviſart's Urtheil über den Schlagfluß.

Napoleon, der den Schlagfluß fürchtete, erbat ſich einſt von ſeinem Leib arzte Cocviſart eine genaue Bezeichnung dieſes Uebels.Sire, ſprach der Arzt, der Schlagfluß iſt ſtets gefährlich, allein er hat Symptome, die ihm vorhergehen; denn es iſt nur ſelten, daß die Natur ohne vorgängige Warnung den Tod bringt. Ein erſter, faſt jederzeit leichter, Anfall iſt, eine Vorladung