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entzükt, und rief ſie nach ihren Num⸗ mern, nach den Duetten, und am Schluſſe mehrmals hervor.“ Kllm.
Korreſpondenz.
Wien(28. Mai). Das am 20. d. M. beim Sperl zum Beſten der Armen abgehaltene Blumen feſt ver⸗ ſammelte die ganze reizende flora Vien- nensis in den Lokalitäten dieſes Lieb— lingsbeluſtigungsortes der Wiener. Die ſchönſten Kinder der Reſidenz wandel— ten im taghell erleuchteten Garten als liebliche Roſen und Lilien, als brennende Liebe oder noli me tangere, als Tauſendſchön⸗ chen oder beſcheidenes Veilchen her⸗ um. Hier ſchleicht ein Ehemann als Kreuzkraut und an ſeiner Seite die Gemalin als Pantöffelchen; dort ſteigt im ſtolzen Selbſtbewußtſein ein Dichter als Ehrenpreis oder Lorbeer einher, und hinter ihm geht ein Rezenſent als Löwenmaul oder Stachelbeere oder Bitterklee. Hier eine älttiche Dame als Klat ſch⸗ roſe oder Ranunkel oder Wi n⸗ tergrün, mit künſtlichem Blüthen⸗ ſtrauß auf den Wangen, und neben ihr ein Galan als Sonnenwende, der ſie verfolgt mit Seufzern und Lieb— koſungen, weil er recht gut weiß, daß ſie eigentlich eine Goldblume ſei. An jenem Tiſche bläht ſich eine kor- pulente Bräumeiſterin als Hopfe n⸗ blüte und ein Schuſter als Pech—⸗ nelke macht ihr die Kur, während ihr Mann als Paſſionsblume ſtille daneben ſizt. Doͤrt koſt ein aller⸗ liebſtes Hausmeiſterstöchterchen als Schlüſſelblum e mit einem Bäkers⸗ ſöhnchen als Kornblume im lau- ſchigen Lautdunkel. Ein Schneiderge⸗ ſell als Geissblatt oder Finger⸗ hütchen mit Ritterſporn an den Ferſchen wandelt ſelbſt gefällig
dahin und verkehrt zärtlich mit ſeiner Schönen, die als Gänſeblümchen an ſeinem Arme hängt. Aber hoch oben auf dem Orcheſter, da iſt ein ganzer Strauß von Tonblumen, der mit ſeinen Wonnedüften alle An⸗ weſenden berauſcht. Die Gebrüder Scherzer ſchauen als Tauſendgul⸗ denkraut wohlgefällig auf das bunte Treiben und der Kellner erſcheint bei der Zeche als unwillkommenes Ve r⸗ gißmeinnicht! Adiaphoros.
Miszellen.
Wien. In Breitenſee, einem Dorfe bei Wien, beſchäftigt man ſich mit der Erlöſung eines Geiſtes. Hof— fentlich wird die Behörde dem Schaber— nak bald ein Ende machen. 2
Stuttgart. Ein armer Ge— hülfe in einer Tuchfabrik aus Berli— chingen, der vor mehrern Jahren nach Ungarn aus wanderte, daſelbſt Anfangs in Kaffehäuſern und Gaſthäuſern an— geſtellt war und zulezt auf eigene Fauſt eine ähnliche Wirthſchaft etablirte, iſt kürzlich als reicher Mann in ſein Va— terland zurükgekehrt und hat ſich eines der ſchönſten Häuſer unſerer Reſidenz angekauft. P.
Speier. In der Umgebung von Speier fand ein Bauer beim Uma— kern eines Feldes einen ſpizigen Hut vom feinſten gediegenen und geſchlage— nen Golde in Form eines geſpizten Filz— hutes, wie ihn die Hans wurſte tragen. Von einem angeſehenen Staatsdiener der Stadt wurde dem Bauer der in— nere Schäzungswerth von 590 fl. ge⸗ geben, von einem Engländer aber ſchon 1400 fl. dafür geboten. Der Hut iſt ſchuppenartig fagonnirt, die Spangen fehlen noch daran und ſind noch nicht gefunden. V.


