Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
324
 
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wir uns dabei benehmen? Nur einer von uns, Ernſt, batte ſchon einem Lei⸗ chenraube beigewohnt; wir andern mußten, als Anfänger, ſchlechte Arbei⸗ ter ſein.

Es herrſchte in dem Wagen ein tiefes Schweigen. Das Stärkungsmit⸗ tel, deſſen ſich der Irländer bedient hatte, war uns nicht ganz nuzlos, und als wir ausſtiegen, machte uns ein halber Rauſch um die Zukunft weniger beſorgt. Wir befahlen dem Kutſcher, in eine ſchmale Allee unweit vom Gottesaker zu fahren. Die Uhr auf dem Kirchthurme ſchlug langſam die zwölfte Stunde. 5

Raſch, Bob, wir müſſen nun ausſteigen.

Ausſteigen, richtig, ausſteigen. Ich verſtehe Sie vollkommen, meine Herren.

Nun, ſo mach' ſchnell.

Es iſt kalt, meine kleinen Herren, erwiderte Bob in ſeinem iri⸗ ſchen Kauderwelſch;es iſt eine traurige Nacht, eine unangenehme Nacht.

Wir blikten uns rings um, um zu ſehen, ob uns Jemand beobachte.

Ich bin halb erfroren, begann Bob wieder.

Alte feige Memme, fürchteſt du dich ſchon? Nimm den Sak auf die Achſel und geh voran. 8*

Ach, meine junge Herren, wahrhaftig, wenn ich daran denke, ſo iſt es etwas Grauſames, ſezte er in kläglichem Tone hinzu,das arme Geſchöpf in ſeinem beſten Schlafe zu ſtören.

Noch einen Schluk Branntwein, Bob?

Nein, auf Ehre..

Dieſe Weigerung entmuthigte uns vollends. Es ſehlte wenig, ſo ſtiegen wir wieder in den Wagen und gaben unſern Plan auf. Aber alle unſere Ka meraden wußten davon und ſie würden uns mit ihrem Spotte unerbittlich ver folgt haben, wenn wir mit leerem Sake zurükgekommen wären. Die Furcht lächerlich zu werden, hielt der Angſt das Gleichgewicht. Wir blieben am Ende der Allee ſtehen. Einer pfiff, der Andere machte ſehr unzeitige Bemerkungen über die traurige Einſamkeit der Gottesäker, beſonders um Mitternacht. Ich verſuchte endlich den Muth meiner Begleiter wieder ein wenig anzufachen.

(Beſchluß folgt.)

Auswanderung.

Nach Berichten aus Nordamerika iſt noch in keinem Jahre die Einwan derung in die Vereinigten Staaten ſo bedeutend geweſen, wie im Jahr 1834. Die Geſammtzahl ſämmtlicher neuen Ankömmlinge belief ſich auf 75,179 Köpfe, darunter waren ungefähr 51,000 Deutſche. Die meiſten Deutſchen(12,283) lan⸗ deten in Neu-Orleans und(11,802) in Valtimore. Sehr in Aufnahme iſt die Anſiedelung in Michigan, verunglükt ſind bis jezt die Verſuche in Arkan⸗ ſas. Auch nach den Canadas ſind im vorigen Jahr viele Deutſche und an 80,000 Menſchen aus Großbritannien eingewandert. Ein ſehr ehrenwerther Paſtor in Sachſen, Friedrich Herrmann Behr, der ſchon in ſeinem Dorfe den Armen hilft, wo er kann, hat jezt der Staatsregierung einen ausführlichen