Mittwoch, 20. Mai.
Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbſähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗? Man bränumerirt im Kommiſflonsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Kupferabdrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. 2 lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Canova's erſte Liebe.
Der berühmte Bildhauer Canova begann ſeine Studien in Rom in dem Hauſe Volpatti's als Kupferſtecher. Als ein blöder, linkiſcher junger Menſch fühlte er ſich beim erſten Eintritt zu ſeinem künftigen Meiſter nicht wenig beklommen, und ſeine Scheu wurde durch das Benehmen des eben beſchäftigten Vol patti um nichts vermindert.„Warte nur, ſagte er, ich will gleich mit dir ſprechen.“ Canova betrachtete indeß die manigfachen Gegenſtände, welche das Zimmer enthielt, von denen ihm jedoch ein junges Mädchen, das dem Künſtler eben ſaß, bei weitem der intereſſanteſte war. Das Mädchen ſaß indeß nicht, wie hier, dem allgemein angenommenen Ausdruk zufolge, eben geſagt wurde, ſondern es ſtand vielmehr, mit dem einen Fuß vorwärts ſchreitend und den Kopf zur Hälfte herumgewendet; die Maske und der zerbrochene Stab in ih⸗ rer Hand bezeichneten die Jungfrau als„Thalia,“ und wirklich eigneten der ſchalkhafte Zug in dem offenen freundlichen Geſicht und die kindliche Fröh⸗ lichkeit in ihrem ganzen Weſen ſie vollkommen zu dem Ideal der heitern Muſe. Eine Stunde lang ſtand ſie unverrükt in dieſer Stellung und beobachtete in—
deß mit heimlicher Schadenfreude den blöden Jünger. Während ihres ganzen glüklichen Lebens hatte ſie vielleicht noch nie ſo lange ruhig auf Einer Stelle geſtanden, endlich aber verließ ſie die Geduld, ſie warf Maske und Stab von ſich, fiel zu nicht geringer Verwunderung des ſchüchternen Canova dem alten Künſtler um den Hals und ſagte:„Heute nicht mehr, lieber Vater, ich bin es herzlich müde Thalia zu ſein, und willſt du durchaus fortarbeiten, ſo magſt du mich nur als eine ſchlafende Nymphe malen.“ Volpatti warf ſeinen Pinſel weg und erwiderte:„Du biſt ein eigenſinniges Mädchen, doch wenn du wirk- lich müde biſt, ſo geh nur und ruhe aus;— aber warte noch einen Augen—


