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im Schnekengange ſich fortſchiebt, her⸗ aus, rufen gähnend: il fait beau jour! und ſinken wieder in die Eke zurük. Im Gegentheile betrachten wir das bunte und ſanguiniſche Treiben der Menge in den andern Theilen des Pra⸗ ters, der ſeine grünenden Vaumzweige wie Arme der andrängenden Menſchen⸗ maſſe einladend entgegen ſtrekt; hier die tobende türkiſche Muſik der unzäh⸗ ligen„Ringelſpiele“,“ dort die wirbelnde Trommel des luſtigen Ba⸗ jazzo, der mit tauſend improviſirten Vonmots von der derbſten Gattung zu einer Taſchenſpieler-Vorſtellung ein⸗ ladet; hier ruft ſich der Elgenthümer eines Wachsfigurenkabinets mit der An⸗ preiſung der darin aufgeſtellten Merk⸗ würdigkeiten heiſer, dort ſpielen 2 bis 5 Harfeniſtenbanden ſelbſt zuſammen⸗ geſtoppelte Szenen, mit anti-platoni⸗ ſchen Liedern geſpikt, auf einer hal b⸗ ſchuhhohen Bühne unter dem Beifall von hundert Zuſehern; hier wird ein dikes Schwein, dort der Menſchenſpie⸗ gel gezeigt, lezterer aus einer Samm⸗ lung Meſſerſchmidt'ſcher Büſten beſte⸗ hend. Und auf allen Mienen ſtrahlt die Freude, und der Mai iſt eingezo— gen in die Menſchenbruſt, und Blumen des Frohſinns und Blüten der Heiter⸗ keit ſprießen, vom Thau der Freuden— thräne benezt, in üppigen Gruppen.— Auch der k. k. Augarten erfreut ſich in den Maltagen eines zahlreichen Be— ſuches, und der Hoftraiteur Heß hat bei dieſer Gelegenheit für eine entſpre⸗ chende Reſtauration geſorgt. In den Lokalitäten dieſes ſchönen Gartens ver⸗ ſammeln ſich zu den Goüters gewählte Geſellſchaften und bei den Tables d' hô- te à la Reine herrſcht guter Ton. Es ſcheint überhaupt, als fänden die Wie⸗ ner an den bereits mehrere Jahre et⸗ was verwaiſten Beluſtigungsorten Pra⸗ ter und Augarten wieder neues Ver⸗ gnügen.— Bei dem am 1. Mai vom
Prater⸗Anfang bis zum Luſthauſe und von da wieder zurük abgehaltenen Wett⸗ laufe der herrſchaftl. Läufer erhielt der Läufer S. Durchl. des Fürſten v. Windiſchgrätz den erſten Preis; erlegte den zwei Stunden langen Weg in 42 Minuten zurük.— Bei der im Au⸗ garten veranſtalteten Preisvertheil ung der Akerbau⸗ und Landwirthſchafts⸗ Geſellſchaft zeigte ſich der große Nu⸗ zen, den dieſer herrliche vaterländiſche Verein ausübt, wieder auf eine höchſt erfreuliche Weiſe. S. M. der Kaiſer und mehrere Glieder des allerhöchſten Hofes waren bei der Vertheilung der Preiſe gegenwärtig. Adiapho.xio s.
Miszellen.
London. Der Lanceston In- dependent, eine Zeitung von Neu⸗ Süd⸗Wales, zeigt an, daß die Damen Remans und Rhudeloff, Künſtlerinen von einem europäiſchen Theater, in Hobart Town engagirt worden ſind, und ihr Debut ein höchſt glänzendes war; daſſelbe Blatt ſezt hinzu, man werde in Kurzem mehrere neue Stüke auſtraliſchen Urſprungs auffüh⸗ ren, und hoffe namentlich viel von dem „Banditen am Rheine.“ Der Gedanke regt ſich jezt mit ungeheurer Raſchheit. Die Chineſen ſollen eine Ueberſezung des Penny Magazine mit deſſen Abbil⸗ dungen erhalten; die Irokeſen-India⸗ ner haben ſich ein eigenes Alphabet erfunden, und überſezen nun in ihre Urſprache die klaſſiſchen Werke der eu⸗ ropäiſchen Literatur. Das Chronicle of Singapour meldete lezthin, daß ſich ein Bramine mit der Ueberſezung der Werke Dantes beſchäftige, während die Pariſer Zeitungen anzeigen, Paulthier bearbeite den Confucius. Die Ulemas in Konſtantinopel beſchäftigen ſich mit der


