Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
296
 
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Dover. Zu Whiteſea(Eng⸗ land) ſtarb ein gewiſſer Hr. Unterwood, der ſeiner Schweſter 6000 Pf. St. ver⸗ machte, mit der Bedingung, ihn auf folgende Art begraben zu laſſen. Der Sarg war grün angeſtrichen, der Leich nam glänzend geſchmükt; zu ſeinen Fü⸗ ßen lag ein Exemplar Milton's, das Haupt ruhte auf Sanadon's Ausgabe des Horaz, in der rechten Hand hielt er ein kleines griechiſches Teſtament, und in der Linken eine Taſchenausgabe des Horaz. Die ſechs leidtragenden Edelleute bekamen jeder 10 Guineen, mußten aber in bunten Kleidern er⸗ ſcheinen, und die 3ſte Ode aus dem erſten Buch des Horaz nach beliebiger Melodie abſingen. 1.

München. Während in Lyon die ſchändlichen. Piqueurs ihr Unweſen wie⸗ der treiben, berichtet man uns aus Augsburg, daß auch dort ſelbſt die elenden Mädchenſchneider ihr Unweſen wieder beginnen ſollen. Vor Kurzem haben ein 9jähriges und ein 16jähriges Mädchen auf, offener Straße gegen Abend einen Schnitt in den Arm er halten. Der ſchändliche Thäter ent ſprang, noch ehe die Verwundeten um Hülfe rufen konnten. V.

Berlin. Ein Kaufmann wollte von einer Dame für abgeholte Schmin ke bezahlt ſein. Als ſie ihn darüber hart anließ, ſprach er:Madame, Sie behandeln mich wie ihren Lakaien. Ich trage aber nicht Ihre Farbe, ſondern Sie die meinige. S.

Paris. Die Bildſäule des Phi⸗ dias von Pradhier iſt geſtern im Gar ten der Tuilerien aufgeſtellt worden. B.

Warſchau. Die Witterung iſt auch im Königreich Polen ſo ungünſtig, daß an verſchiedenen Orten am 2ten Oſter- Feiertage mit Schlitten zur Kirche gefahren wurde. Die prak tiſche

Witterungskunde der Schaͤfer e ſich hierbei glänzend an mehreren Or ten. 2 Meilen von Warſchau wettete ein Schäfer mit ſeinem Gutsberra, als in den erſten Tagen des Aprils das Wetter ſo günſtig war, daß auf die Oſterfeiertage Schnee fallen würde und verpflichtete ſich, im Fall eines Febl⸗ ſchlagens ſeiner Prophezeihung, ſein Gehalt auf ein ganzes Jahr abzutre ten; der Gutsbeſizer dagegen verſprach ihm, wenn die Prophezeihung einträfe, 50 Schaafe. Am 2ten Oſterfeiertage war der Schäfer wirklich im Beſize ſei ner kleinen Heerde. Lafont gibt in einem Privatlokal noch eine muſikali⸗ ſche Abendunterhaltung, den Eintritts- preis zu einem Dukaten. G.

Modenbild. Nr. 19.

pariſer Long⸗Champs-(Som- mer⸗) Anzüge vom 25. April. Reis⸗ ſtrohhut mit Blumen und Bändern geziert. Kleid von geſtikter Organdie. Stolle von Gros de Naples. Die ſizende Dame zeigt die Form des Hutes und des Kleides von der Rükſeite⸗ (Hr. Mindſzenty, bürg. Damenkleider⸗ macher in Peſth, gr. Brükengaſſe, Nr 634, hat bereits viele Sommeranzüge verfertigt, die ſich eben ſowohl durch Neuheit als Ge⸗ ſchmat auszeichnen. Auch hat er ſo eben mit einem Stabliſſement eine Lokalveränderung in demſelben Hauſe vorgenommen, worin er im Stande iſt den Anforderungen aller ele ganten Damen noch mehr zu entſprechen.)

Pe ſt h.(Eingeſandt.) Die Hrn. Wie⸗ rer und Komp., die ſeit längerer Zeit ihr mechaniſches Kunſttheater im Saalezu den ſieben Churfürſten mit vielem Beifall zeig- ten, werden jezt mit ihrer kleinen Geſell⸗ ſchaft eine Reiſe nach Oberungarn, namentlich nach Kaſchau, Eperies u. ſ. w. antreten, und gewiß werden auch daſelbſt die niedlichen poſſierlichen Figürchen, ſo gewandt in allerlel gymnaſtiſchen und dramatiſchen Exerzitien/ das Publikum zu ergozen wiſſen. P.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.