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für eine junge, artige Dame zu halten. Ueber alle andere Gegenſtände ſprach er vernünftig und ſchiklich, aber Nie mand vermochte ihn zu überreden, die zierliche Frauenkleidung abzulegen, in welcher er alle Geſellſchaften, ſogar die Kirche beſuchte. Rief man ihn bei ſei⸗ nem Namen„Hr. Dumouret,“ ſo ge⸗ rieth er in Wuth, zeigte auf ſeinen geſtikten Rok und ſeine bunte Haube. Seine Schmeichler und Tiſchfreunde nannten ihn„Mademoiſelle Roſette,“ und hatten guten Vortheil von ihrer Nachgibigkeit; auch bewog man ihn auf dieſe Weiſe zu einem Teſtament, das ſein Vermögen den rechtmäßigen Erben entzog, welche aber vor Gericht klagbar wurden. B. Berlin. Am 12. April hat ſich in Berlin der in Frankreich häufige, dort aber faſt unerhörte Fall ereignet, daß ſich zwei Liebende in einer Stimmung der Schwärmerei mit einander zu tödten verſucht haben. Der junge Mann, ein Handwerker, ging Abends mit ſeinem
Maͤdchen in den Thiergarten; dort oͤff⸗ neten ſie einander die Adern des Ar⸗ mes, und erwarteten nun den Tod. Am andern Morgen fand man das Mäd— chen verblutet, den jungen Mann aber noch am Leben. S. Straßburg. Ein Einwohner von Chavorpay, im Alindepartement, kehrte vor Kurzem ziemlich berauſcht des Nachts nach Hauſe zurük, und kroch, da ſchon Alles im Bette war und ſein Klopfen nicht ſogleich gehört wurde, in einen öſſentlichen Bakofen, um da— ſelbſt die Nacht zuzubringen. Zufällig hatte man Tags zuvor Brod in dem Ofen gebaken, und er war noch heiß. Wie es ſcheint, war die Thür von ſelbſt
zu gefallen, nachdem der Berauſchte hin— eingeſtiegen war; von Innen konnte ſie nicht geöffnet werden. Vergeblich ſuchte ſeine Familie nach dem Ungtük⸗ lichen, der in dem Ofen förmlich zu Tode gebaken wurde; erſt nach zwei oder drei Tagen, als ſeine Frau den Ofen heizen wollte, um zu baken, fand ſie die fürchterlich zugerichtete. ihres Mannes.
Bilder ⸗Gallerie. Nr. 4. Lord John Rouſſel.
Lord John Rouſſel, geb. im J. 1793, iſt der Sohn des Herzogs von Bedford und einer der größten jezt lebenden Staatsmänner und Parla— mentsredner Englands. Er iſt Mitglied des Unterhauſes und zwar von der Grafſchaft Süddevonſhire gewählt, und ſein politiſches Syſtem neigt ſich zu dem der freiſinnigeren Whigs. Schon unter den Miniſterien Grey und Melbour— ne nahm er Theil an der Verwaltung, und als im November 1834 Peel Pre— mierminiſter wurde, trat er mit den übrigen Whigs zurük und ſchlug ſich auf die Seite der liberalen Oppoſition, deren Führer er wurde. Sein Einfluß war hier ſehr groß, und ſein Operations-Ylan gegen die Tory-Negierung ſo wohl an— gelegt und ſo wirkſam, daß es ihm gelang, ſie, bei Gelegenheit der iriſchen Kirchenfrage, zu ſtürzen. Seit dem 18. April. d. J. iſt nun ein neues Whig⸗ Miniſterium unter Lord Melbournes Präſidium ernannt, wobei Lord Ro uſ— ſel die Charge eines Staatsſekretairs des Innern bekleidet. Er verheirathete ſich am 11. April l. J. mit Lady Ribbesdales, der 28 jährigen Wittwe eines Pairs dieſes Namens, die ihm ein großes Vermögen zubrachte.
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Herausgeber und Verleger Branz Wieſeu.


