Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
264
 
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von Groß

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N

der ſelbſt erziehen, noch ihnen irgend eine Erziehung geben laſſen.(12) P.

Der Modenkurier.

(Paris, 10. April. 1835.)

Nichts Neues unterm Sonnenlicht;

Doch neu beit, was die Mode ſpricht!

1. Dasjenige, das manModen von Longchamps nennt, wird jezt ſchon ziemlich vorberkitet, ſo daß wir eini germaßen darauf hindeuten können, was die ſen Sommer angenommen werden wird. So können wir mit voller Sicherheit ſagen, daß die Aermel der Ueberröke und Kleider im Ganzen weniger breit, aber auf dem Bind chen faſt ganz gefältelt; daß die Kleider lang und breit, die Pelerinen eln wenig minder groß und beſonders freier auf der Bruſt ſein werden.

2. Man verfertigt viele Pelerinen mit geſpizten Enden, die unter der Binde aufge halten werden, und viele, die ſich vorne öff nen, ſo daß der Vordertheil des ueberroks ſichtbar wird.

3. Die Leibchen der Kleider ſind groß tentheills drapirt und gekreuzt auf der Bruſt. Man hat viele dieſer Gattung angenommen, deren Roke gleich den ueberroken offen ſind, und es iſt gewiß, daß dieſe ueberrok kleider noch für dieſen Sommer in der Maiorität bleiben werden.

4. Die Kapoten ſind ſehr in der Mo de; man verfertigt eine große Anzahl mit Kouliſſen. Jene von parmeſaniſch-lilas farbi⸗ gem Poult⸗de⸗Soie, mit einem lilasfarbigem oder weißem Bouquet geziert, ſind zahlreich. Viele ſind von quadrillirten Stoffen, z. B. les, grün und weiß, lilas und weiß, nroth und weiß quadrillirt, mit Bandſchlelfen derſelben Art und manch mal ſeitwärts einen Zweig ſehr einfacher Blumen.

5. Unter den vorzüglichſten Stoffen, die dieſen Sommer in der Mode ſein werden, verdient der gedruckte Organdie be ſondere Erwähnung. Es gibt nichts Friſcheres als die auf dieſem Gewebe dargeſtellten Deſ ſins, das ſo fein und ſo transparent iſt, daß

es mit den durchſichtigſten Gazen wetteifern kann. Die Bouquets beſtehen aus grazids hingeworfenen Roſen oder Mohnblumen. Die⸗ ſer Stoff gibt die ſchoͤnſte Toilette, die man ſich denken kann.

6. In dem Boulogner Wald, gegen zwei Uhr, bemerkt man die Faſhionables mit ihren ſchonen engliſchen Pferden und die weib⸗ lichen Elegants mit ihren ausgeſuchteſten Toiletten. unter den leztern ſehen wir noch immer ueberröte von ſchwarzem, rußfarbigem, granatbraunem und grauem Sammet. Die pelerinen ſind gefüttert und offen in der Mit- te der Bruſt; eine prächtige Nadel befeſtigt das Halstuch, von wo ein kleines Kettchen ausgeht, woran eine Caſolette, oder ein Fla⸗ kon dc. hängt; eine Cachemirſchärpe um den Hals erſezt den Boa. Die Hüte ſind von ro⸗ ſenrothem, kohlgrünem, oder blauem Atlas, viele ſind mit Federn von derſelben Farbe ge⸗ ziert. Man tragt ſogar noch Hüte von Sam- met, aber man erkennt gleich, daß ſie nicht modern ſind; es ſind blos alte Hüte, denen man den Garaus machen will.

Modenbil d. Nr. 17.

Pariſer Anzüge vom 10. Apr. Wir liefern heute ein Bild, bei deſſen An⸗ blit gewiß das Herz eines ſeden Mädchens laut aufpochen wird es ſtellt einen Braut- puz dar! Ein ſchoner Traum der Jugend! Wahr iſt es, daß es nichts Grazloſeres gibt als dieſes Blondetleid, als dieſen ele⸗ ganten Schleier, der das Haupt einer Jung⸗ frau ſo herrlich ziert. Die mit einem Per. lentranz gezierte Koeffüre paßt ſehr gu zu dem ubrigen Theil der Toilette, die ſelbſt bis auf das kleine Gebetbuch blendend in Weiß und Gold iſt. Dieſer Anzug iſt der⸗ jenige, den eine reiche Braut trug. Der andere, einfachere, iſt indeſſen auch reich und ſehr elegant: ein Kleid von indiſchem Mouf⸗ ſelin, mit engliſchen Spizen garnirt und ein gleicher Schleier. Der junge Mann hat einen Anzug, der zu einer ſolchen ernſten Zeremonie, wie die einer Trauung, gewiß der angemeſſenſte iſt. Schwarzer Frat und Pantalons, Gilet von kaſtanienbraunem Ta⸗ chemir mit Goldblumen, weiße Kravate, weißſeidene, durchbrochene Strumpfe, lakirte Schuhe.

Der berühmte Hr. Oury, Profeſſor an der k. Akademie und erſter Solo- ſpieler bei der ital. Oper in London, iſt hier angekommen und wird Sonn tag, den 26., im Redoutenſaale ein Konzert geben.

Herausgeber und Verleger Sranz Wieſeh.