Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
249
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

Halbjähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.

Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen (Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.

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c Bild aus dem Seeleben.

In einer ſehr unruhigen Zeit lebte ein ſehr ruhiger Mann. Wer in je ner Periode, kurz vor dem Friedensſchluſſe des ſiebenjährigen Kriegs, wo die Welt noch von hartnäkigen Händeln träumte, wo die Gerüchte von Siegen und Niederlagen unruhig umherſchwärmten, wer damals in Hamburg auf dem Plaze des bekannten Jungfernſtieges ſich befand, dem fiel es auf, dort einen Mann von mittlerer Größe, in einen kaffeebraunen Oberrok gekleidet, mit einer an ſtändig gekräuſelten Stuzperrüke verſehen, den Stok in der Hand, ſo ruhig auf- und abſchreiten zu ſehen, als ſei der tiefſte Friede im Lande. Dieſer ru⸗ bige Mann war mein Großoheim, in ſeinem Hauſe lebte ich, er hatte mich lieb und zog mich in ſeine ſtille Weiſe hinein, ſo daß auch ich zu Zeiten nach⸗ denklich und doch an nichts denkend auf- und abſchritt, gleichfalls mit dem Stok in der Hand und mit einem kaſſeebraunen Rok bekleidet, ſo wie er. Aber das bedeutſame, kluge, blaſſe Antliz, das ſtille, unergründliche Lächeln, das öfters über die Züge des Großoheims glitt, das, ſo bekannt und vertraut es mir auch war, konnte ich nicht nachahmen, und doch war es gerade dieſes, was ich mir ſo gerne angeeignet hätte, denn in ihm beſtand die wunderſame Liebenswürdigkeit des Alten, womit er die Herzen ſeiner Umgebung bezau⸗ berte, und die von uns Knaben dieMährchenmiene des Oheims genannt wurde. In der That kam ſie auch nur zum Vorſchein, wenn ein Mährchen erzählt werden ſollte. Die guten Hamburger, die in der Welt, in den Kriegs händeln und in den Bilanzen der Vörſe lebten, fanden denguten Braunen, wie ſie ihn nannten, herzlich langweilig; ſie wußten von ihm zu erzählen, daß er einmal eine unglükliche Fahrt gemacht, dabei Schiffbruch gelitten, ſein