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ein Verſehen des Vaumeiſters(welches ſpäter beſeitigt wurde) blieb in der Mitte der Wölbung eine Erhöhung ſichtbar, die jedoch im Ganzen nicht über einen Fuß betragen mochte, und dadurch, daß ſie ſich nach beiden Seiten ſehr allmälig abflachte, in der That kaum ſichtbar war. Dennoch wurde viel darüber geſprochen, und dies brachte wahrſcheinlich den Füͤrſten Pückler auf folgenden Einfall:
Er kam in ſeinem Phaeton raſch die Linden heruntergefahren, doch je mehr er ſich jener Wölbung näherte, deſto mehr mußte der Kutſcher die mu⸗ thigen Pferde anhalten, und am Fuße der beträchtlichen Höhe angelangt, hielt der Wagen ganz ſtill; der Vorreiter ſprengte zur Poſt, holte vier Pferde Extrapoſt, dieſe wurden vor die vier Pferde des Fürſten gelegt, und dann der Wagen ſehr langſam die Höhe hinangezogen. Oben angelangt, wurde die Vor— ſpann wieder abgenommen, und dahin brauſten die Pferde des Fürſten mit dem leichten Phaeton. Dem Könige ſoll jedoch dieſer Spaß nicht gefallen haben.
Unter den Häuſern, welche der Fürſt am häufigſten beſuchte, war na⸗ mentlich das der Gräfin von Pappenheim. Einſt fuhr er um 12 Uhr in der Nacht bei der Gräfin vor, und verlangte zur Viſite gemeldet zu werden. Als der aus dem Schlafe erwachte Portier ihm die Verſicherung gab, die Frau Gräfin wären längſt zu Bett gegangen, wollte der Fürſt es anfangs gar nicht glauben und fuhr erſt nach einigem Zögern wieter fort, indem er laut äußerte, er begreiſe nicht, wie man ſo früh zu Bett gehen könne.
Auf ſeiner Herrſchaft Muskau führte er ſpäter eigenes Papiergeld ein, von Sechs⸗Groſchen-Scheinen an aufwärts. Mit dieſem Gelde wurden ſeine Beamten, ſeine Dienſtboten, ſelbſt die Taglöhner, bezahlt, und mußten das Papier dann erſt wieder bei dem Rentmeiſter gegen baar umſezen.
Geographiſche Kenntniſſe der Perſer.
In der Univerſalgeſchichte des Perſers Naſchid Eddin(angefangen 1514) lieſt man fol gende Stelle: Irlanda(Irland) iſt eine Inſel mitten im Ozean. Sie hat einen ſo trefflichen Boden, daß es da weder Natten noch giftiges Ge⸗ würm gibt. Die Bewohner erreichen ein hohes Alter; ſie ſind rothhaarig, ſtark und tapfer. Auf dieſer Inſel gibt es eine Quelle, die ein hineingewor⸗ ſenes Stük Holz binnen einer Woche in Stein verwandelt. Neben Irland liegt eine größere Inſel, Namens Inglitara(England). Auf derſelben befin⸗ det ſich ein Berg mit zahlreichen Gold-, Silber-, Kupfer⸗, Blei- und Ei⸗ ſengruben. Fruchtbäume gibt es im Ueberfluß. Zu den Wundern dieſes Lan⸗ des gehört ein Baum, welcher Vögel erzeugt. Dies geſchieht in folgender Art: In der Blüthezeit ſieht man eine Art von Säkchen an dem Baume, und in dieſem Säkchen ſtekt der Vogel mit dem Schnabel. Iſt die Frucht reif, ſo pikt der Vogel ſelbſt ſie auf und kommt heraus. Man füttert ihn 2 Jahre, binnen welcher Zeit er die Größe einer Gans oder Ente erreicht. Es iſt die gewöhnliche Speiſe der Bewohner jenes Landes. Auf beiden Inſeln gibt es Schafe, aus deren Wolle man Flor und Scharlachtücher bereitet. Der König beider Inſeln heißt Schottland!“


