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Weisheit, heiliger Sinn für Recht, auch Streng' wo ſie ſein muß, Leiten ſeine erhabenen Schritte. Er findet ſein Glük nur
In dem hohen Beruf, den die weltenlenkende Allmacht,
Auſtriens Völker, zu eurem Wohl und Heil ihm vertraute!
Jubelt denn Auſtriens glükliche Völker zum Schöpfer der Welten Euren heißen Dank empor, daß er lang ſchon durch edle Beherrſcher, Durch Thereſiens Söhne und Enkel euch liebend beglükte,
Daß einſt am heutigen feſtlichen Tag er euch Ferdinand ſchenkte, Der ſich nur glüklich fühlt im Wohl der edelſten Völker!
Jubelt heißen, wonnigen Dank, und fleht auch zur Vorſicht,
Daß ſie ſein Mühen für euer Glük, und jegliche Sorge,
Daß ſie ſein ſchweres Herrſcheramt mit Segen begleite,
Und daß lang ſie euch Ferdinand ſchenke, den edelſten, beſten, Eurem Glüke mit Weisheit und Liebe ſich weihenden Vater!
Anekdoten aus dem Leben des Verfaſſers der„Tutti Frutti.“
Bei dem Aufſehen, welches die Schriften des Fürſten Pückler⸗Muskau zu machen bemüht ſind, und auch in der That machen, dürfte es gewiß nicht un⸗ intereſſant ſein, aus ſeinem frühern Leben einige Anekdoten mitzutheilen, welche beweiſen, daß der Fürſt Pückker ſchon lange ehe er Schriftſteller wurde, ein Original war, oder wenigſtens als ſolches zu erſcheinen ſtrebte.
In den Jahren 1819 oder 1820 brachte der Fürſt den Winter in Berlin zu, und gab dort der vornehmen Geſellſchaft, in der er natürlich ausſchließlich lebte, häufig Stoff, über einzelne Züge zu lachen. Sichtbar wollte er Auf⸗ ſehen erregen, von ſich ſprechen machen, und dieſen Zwek erreichte er oft hin⸗ länglich. Wie hätte man auch in der That ſich enthalten können, ihm nach⸗ zuſehen und nach ſeinem Namen zu fragen, wenn er in einem leichten Phaeton mit vier gezähmten Hirſchen beſpannt, durch die Straßen Berlins fuhr? Auf dieſe Weiſe Aufſehen zu erregen, war ihm jedoch nicht lange vergönnt, denn mochten ſeine geweihten Zugthiere auch wirklich noch ſo gut gezähmt ſein, ſo konnten doch manche, vielleicht minder gezähmte Roſſe deren Anblie nicht wohl ertragen, und als die Hirſche des Fürſten Pückler mehrere Equi⸗ pagen anderer Herrſchaften zum Durchgehen bewogen hatten, wurde er von der Polizei höflichſt erſucht, ſich ihrer nicht mehr zu bedienen. a
An die Stelle der vier Hirſche traten nun vier Pferde, und ſelbſt ſo bot die Equipage noch einen aufallenden Anblik dar, denn man konnte ſich eines Lächeln nicht wohl enthalten, das leichte Wägelchen, welches für ein Pferd ein Spielwerk geweſen wäre, mit vieren beſpannt zu ſehen.
Um dieſe Zeit wurde in Berlin, zwiſchen dem Zeughauſe und dem Uni⸗ verſitätsgebäude, da wo jezt die neue Hauptwache ſteht, ein Kanal, über den bisher nur eine unanſehnliche hölzerne Brüke geführt hatte, in der ganzen beträchtlichen Breite der Straße überwölbt, und ſollte mit dieſer genau gleich boch gelegt werden, ſo daß die Straße von der Promenade der Linden bis zum Waſſer hinter dem Zeug hauſe in einem Niveau fortlaufen ſollte; allein durch
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