30. Mittwoch, 15. Aprtl. 1855.
fiir
Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbſähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu-? Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinpapter mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Aupferabdrilten 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. 2 lung zu Peſth und bel allen k. k. Poſtämtern.
Die verhängnißvolle Stunde.
(Beſchluß.)
Als der beſtimmte Abend herankam, rollten der Chauſſe d' Antin Hun— derte von Equipagen entlang, und ein im Feuermeere prangender Pallaſt zeigte ſchon von Ferne den Verſammlungsort an. In den prachtvollen Sälen bewegte ſich ein bunter, glänzender Strom von Gäſten auf und ab. Ein Heer von Damen hatte ſich im Sizſaale um den Divan der Hausfrau verſammelt, unter ihnen Amalie und ihre Begleiterin. Der Graf hatte ſie bald aufgefunden, ſich den Damen als ein Landsmann vorgeſtellt, und ſie bald in ein interreſ⸗ ſantes Geſpräch verwikelt. Plözlich, und mitten im Fluſſe der Rede brach Amalie ab, ſich zur mütterlichen Freundin wendend:„Mir dünkt es Zeit zu ſein, und wir müſſen Gelegenheit ſuchen uns unbemerkt zu entfernen,“ ſagte ſie leiſe zu ihr. Jene, nach einer Mignonuhr ſehend, die ſie aus dem Vuſen zog, erwiderte:„Wahrhaftig, es iſt halb zwölf Uhr!“— Faſt erſchrekt fuhr die junge Fremde empor.„Ich werde nach dem Wagen ſenden,“ ſagte ſie. Der Marquis, der in der Nähe war, und, wie es ſchien, ein aufmerkſames Auge auf die beiden Damen hatte, bemerkte den Aufbruch und eilte hinzu:„Was iſt Ihr Wunſch, Mes dames! ich bin bereit Ihre Befehle zu vollziehen.“
„Wollen Sie ſo gefällig ſein,“ ſagte in ängſtlicher Eile Amalie,„mei nen VBedienten ſchnell nach dem Wagen zu ſenden?“—
„Was fällt Ihnen ein, ſo zeitig die Geſellſchaft zu verlaſſen wäre nicht artig, der Geſandte würde es Ihnen übel nehmen.““
„Oer Varon von A“ weiß unſere Gewohnheit und ehrt ſie—“
„Die iſt doch nicht um halb eilf Uhr ſchon wieder nach Hauſe zu fahren?—“


