Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
229
 
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kommen aus ihnen Maden oder Larven hervor, die nichts anderes als neue Inſekten in ihrer erſten Geſtalt und vor ihrer Verwandlung ſind. Kennt man einmal die Entwiklung der weißen Maden, ſo wird es leicht begreiflich, wie ein Menſch der eingeſchlafen war, wenn ſich Fliegen an den Stellen niederlie⸗ ßen, wo die Schleimhäutchen ihren Anfang nehmen, und wenn ſein Schlaf lange dauerte, von dieſen Maden gequält, aufwachen konnte. Ein ſolches Bei⸗ ſpiel iſe von J. Cloquet im Spital Saint-Louis zu Paris wirklich beobachtet worden. Ein überaus ſchmuziger Lumpenhändler, 65 bis 66 Jahre alt, ſchleppt ſich in völlig trunkenem Zuſtande bis zu dem Montmartre, und ſchläft nicht weit von einem Graben ein, wohin gewöhnlich die todten Thiere des Viertels geworſen wurden. Durch die Ausdünſtung ſeines Körpers herbeigelokt, um ſchwärmen ihn eine Menge Fliegen, laſſen ſich, ohne daß er etwas davon fühlt, an ſeinen Augenliedrändern nieder, kriechen in die Naſe, in die Gehörgän⸗ ge u. ſ. w., und ſezen da ihre Eier ab. Bei ſeinem Erwachen(ſein Schlaf batte 36 Stunden gedauert) fühlt dieſer Unglükliche, wie ihn die Würmer zernagen, die man für Larven der Fleiſchfliege erkennt, und er wird in einem jammervollen Zuſtande in das Spital St. Louis gebracht. Er hat Geſchwüre unter der behaarten Haut des Kopfes, in den Naſen⸗, Augen- und Stirn⸗ böhlen, woraus eine übelriechende Jauche hervorkommt. Bald waren die Kopf⸗ baut, die Ohren, die Augenlieder durchlöchert, und aus dieſen Löchern kamen Maden, wie aus einem Ameiſenhaufen die Ameiſen hervor, was dem Kranken das Anſehen eines ſaulenden Leichnams gab. J. Cloquet zog mehrere Teller voll ſolcher Würmer heraus; aber da er nicht überall hingelangen konnte, wo deren waren(ſelbſt die Höhle des Augapfels war davon angefüllt) ſo ließ er Einreibungen von Merkurialſalbe machen. Dieſes Mittel war von auffallendem Erfolg, alle Würmer ſtarben, und der Kranke, deſſen Wunden anfingen zu heilen, ſollte der mediziniſchen Akademie vorgeſtellt werden, als die Entzündung der azußern Kopfhaut ſich auf das Innere ſortpflanzte, und er einer Gehirnent zündung unterlag. Vei der Sektion fand man an der äußern Fläche des Schä dels, außer den ſchon beſchriebenen Verlezungen, die Knochenhaut(das Perio ſtrum) zum Theil zerſtört und faſt in ihrem ganzen Umfange vom Knochen getrennt. Innerhalb des Schädels fand man die drei Hüllen des Gehirns ent zündet, und aus der Weichheit und Auflokerung der Rindenſubſtanz derſelben ging hervor, daß dieſes Organ an der Entzündung der pia mater Theil ge⸗ nommen hatte. Unter andern merkwürdigen Erſcheinungen, die dieſe That⸗ ſache darbietet, verdient noch beſonders erwähnt zu werden, das dieſe ganze Zerſtörung ſtatt fand, ohne daß ein Tropfen Blut dabei zu ſehen geweſen wäre.

Die Eitelkeit Knellers.

Der berühmte Portraitmaler Sir G. Kneller verband mit ſeiner Ku aſt einen ſo hohen Grad von Eitelkeit, daß er zur Zielſcheibe des Wizes aller ſeiner Freunde und Bekannten ward. Er war ein Deutſcher von Geburt, aus Lübeck, und troz ſeines langen Aufenthalts in England, brachte er es doch nicht dahin, das Engliſche rein und obne fremdartigen Accent auszuſprechen. Wie der jüngere Richardſon berichtet, las Gay eines Tages unſerm Sir Godfcey