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gehen, welchen ſich nun kein Hinderniß mehr in den Weg legte.— In der Ehe hätte er vielleicht viele Jahre(2) gebraucht, von ſeiner Liebe geheilt zu werden, und eine Doſis Opium be⸗ wirkte dasſelbe in einer Stunde. Ich fürchte der Preis des Opiums wird ſehr ſteigen, wenn dieſes Remedium allge⸗ meiner bekannt ſein wird. Nrrr. Baltimore. In Natchez, in den Vereinigten Staaten, wurde am 4. Januar ein reicher Pflanzer, Na— mens Forſter, der ſeine Frau mit einer Negerpeitſche erſchlagen hatte, freige— ſprochen. Statt der Juſtiz übte jedoch nun das Volk Vergeltung an ihm, und zwar auf eine empörende grauſame Weiſe, denn ſo wie er ſich auf der Straße bliken ließ, ergriffen ihn meh⸗ rere von den angeſehenſten Bürgern von Nacchez und der Umgegend, führ— ten ihn aus der Stadt hinaus, zogen ihn aus und ſchlugen ihn mit Peitſchen ſo lange, bis ſein Rüken ganz zer⸗ fleiſcht war. Hierauf beſtrichen ſie ihn mit erwärmtem Theer, beſtreuten ihn dicht mit Federn und führten ihn dann, begleitet von einem großen Volkshau— ſen und unter dem beſtändigen Geſchrei: „Peitſcht ihn noch einmal! ſchlagt ihn todt!“ durch alle Straßen der Stadt. Während er ausgepeitſcht wurde, ba— ten einige um Gnade für ihn, allein ſie erhielten zur Antwort:„Als er ſeine Frau todtſchlug, bat ſie ihn auch um Gnade, aber er hörte ſie nicht.“ Das Volk wollte ihn in ein Boot ohne Ruder ſezen und mitten auf dem Miſ— ſiſippi ſich ſelbſt überlaſſen. Dies un⸗ terblieb jedoch, weil es hieß, daß einige ihn erſchießen wollten. C. München. Vergangenen Frei⸗ tag Morgens wurde von einem unbe— kannten Manne ein verruchtes Verbre— chen begangen. Derſelbe nahm nämlich den 11jährigen Sohn des Oberappella— tiousgerichts-Rathes, Ritter von Sche—
rer, von dem Schulwege unter allerlei Verſprechungen mit ſich in den engli⸗ ſchen Garten, und als er mit dem Kna⸗ ben an den Waſſer fall gekommen war, warf er denſelben in das Waſſer, aus welchem das erſehene Opfer jedoch noch glüklicher Weiſe von einem in der Rähe befindlichen Pater Franziskaner und ei- nem Invaliden gerettet wurde. Man iſt dem ſchändlichen Kindermörder, der ſich nach der That ſogleich entfernte, leider noch nicht auf der Spur. T.
München. Ein hieſiges Blatt enthält Folgendes: Der hohe Reiſende, der in dieſem Jahre bei uns erwartet wird, iſt nach den neueſten Reiſeberich⸗ ten am 2. März nur noch 77 Mill. 144.000 Meilen von der Erde entfernt geweſen. Nach der vorgeſchriebenen Rei⸗ ſeroute wird er während des Auguſts im Stier übernachten und dann mit Kurierpoſt jeden Tag 4 Mill. Meilen zurüklegen, im September wird er noch
in den Gaſthäuſern zu den Zwillingen und zum Bär Nachtquartier halten; dann aber nirgends mehr übernachten, ſondern direkt auf die Sonne zureiſen, ſo daß er nicht mehr zu ſehen iſt. Gute Fernröhre machen ſich Hoffnung, daß ſie den Reiſenden, nämlich den Halley' chen Kometen, ſchon im Monat März ausfindig machen können. Im Auguſt wird ſein Kern ſo groß erſchei— nen, als der Jupiter und im Septem⸗ ber den höchſten Glanz erreichen. Doch von dem Schweife verſpricht man ſich nicht gar viel, wenigſtens.
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Der Modenkurier.
(Paris, 15. März. 1855.)
„Nichts Neues unterm Sonnenlicht; Doch neu heißt, was die Mode ſpricht!“ 1. Das Schwarze iſt entſchieden in der Mode. Man bemerkt dieſe Farbe bei den ele ganteſten Damen in der Oper. Unter andern Anzügen dieſer Art führen wir mehrere Klei der von ſchwarzem Atlas an, die kurze Aer mel und einen drapirten und ausgeſchnittenen


