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ner halb knieenden Lage. Dahln brin⸗ gen es die modernen Theaterdichter, denn kurz vor der That hat Salomo (der Name des Erhenkten) zu ſeinen Kameraden, mit welchen er die ganze Nacht hindurch beim Arrangement der Bühne beſchäftigt war, unmuthig ge⸗ äußert: jezt, da ſelbſt ſchon Waſſerar⸗ beiten auf der Bühne vorkämen, wäre es nicht mehr zum Aus halten. Dieſer Unglükliche war, ſo lange dieſes Schau— ſpielbaus erbaut ſteht, in demſelben beſchäftigt. V.
Der Modenkurier.
(Paris, 15. Febr. 1835.)
„Nichts Neues unterm Sonnenlicht;
Doch neu heilt, was die Mode ſprlcht!“
1. Die Bälle vermehren ſich von Tag zu Tage; es iſt keine Nacht wo nicht mehrere glänzende Unterhaltungen dieſer Art ſtattfin- den; aber man findet faſt überall, einige Va⸗ riatlonen ausgenommen, dieſelben Tolletten, viele Turbans à la juive, engliſche Turbans mit Atlas gefüttert, Turbanz von weißer Ga— ze mit Gold geſtikt, untermiſcht mit dunkel farbiger Gaze, ebenfalls mit Gold beſäet. Viele Sammethüte à I'espagnole, getragen von Damen, die nicht tanzen. Stets eine Menge durchbrochener Bonnets, mtt farbigen Federn geztert, und Bonnets mit Bärten.
2. Bei Konzerten bemerkten wir neue, Farbe auf Farbe damaszirte Atlaſſe. Die Grundfarbe iſt immer von einer hellern Schat— tirung.
3. Die ausgeſuchteſten Klelder für Pro · menadenanzuge ſind von Atlas mit neuen Deſſins, nach Art gener der Mouſſeline. Die wleſengrune, mit dunklen Deſſins bedekt, ſcheint uns die vorgezogene Farbe zu ſein.
4. In den Equipagen bemerkt man volcle ſtroh Rund zitronengelbe Atlaskapoten, mit Blumen oder Federn von gleicher Schatti⸗ rung geziert.
5. Auf Promenaden ſind ſchottlſch⸗blaue, ſchwarze und ſmaragdgrüne Sammete vorherr⸗
ſchend für Hüte und Kapoten. Die erſten Mode⸗Magazine zieren ſie mit einer einzig Feder und bringen unter dem Schirm e keines mit kirſchrotbem ober roſenrothem Band gemiſchtes Bonnet an.
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6. Im Allgemeinen tragt man viele grü- ne Hüte; ſie ſind faſt alle von Sammet; jene von Atlas ſind weiß, roſenroth, violet, ſehr wenige blau, und noch wenigere kirſchroth.
7. Dieſe Woche hatten wir einen ſehr ſchoͤnen, warmen Tag, ſo daß man auf den ö Spazirpläzen keine Mäntel mehr ſah; ſie wurden durch Boas und Pelz-Pelerinen erſczt. Eine ſehr ſchon getleldete Dame trug eln Kleid von violetem Atlas, das vorne elne Leiter von Poſamenterle hatte. Das Kleid war ganz hinaufragend, flach rükwärs und vorne und endigte ſich um den Hals mit einer diten Ruche von Tulle⸗Illuſſton. Ein Boa, keine pelerine, ein Hut von jonquillengeldem Pou de Sole, mit drei Federn von derſelben Farbe. Halbſtiefelchen von ſchwarzem Sammet,
8. Die Damen haben die ſogenannten Tartans⸗Sbawls ganz verlaſſen und erſezen ſie durch egyptiſche Shawls, die jezt ſehr be⸗ liebt ſind. ö
9. Die neuen Schürzen ſind von gedrut⸗ tem Atlas. Die ausgeſuchteſten ſind von glat⸗ tem lichtem Atlas, mit einer gedrukten Bor- dure umgeben, deren Zeichnung ſich auf den
Taſchen und auf dem Gürtel E 1 at a an
pariſer Ballanzüge vom 10. Febr. Koeffüre mit einem Paradiesvogel und zwel Bandſchleifen geziert.(Würde Da- men von mittlerem Wuchſe und ovalem Ge⸗ ſichte ſehr gut ſtehen.) Sammetkleld mit At⸗ las garnirt. Colerette(Halsgarnſrung) von gothiſchen Blonden.(Da es noch eine gerau⸗ me Zeit währen dürfte, bis wir Fruhlings⸗ anzuge aus Paris erhalten, ſo machen wir varläuſig auf die geſchmakvollen Arbetten die⸗ ſer Art des Hrn. Mindſzenty(ar. Brü⸗ kengaſſe, Nr. 634 in Peſth) aufmerkſam, der bereits treffliche Frühllagskleider in Ar⸗ beit hat)
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


