Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
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gezaudert, denn wir haben Eile! Zu gleicher Zeit ſieht der arme Muſikus vier Meſſer blinken, und zieht daher erſchroken ſeine Börſe heraus, die die mäßige Summe von 5 Fr. 75 Centi- times enthält, von welcher die Räu⸗ ber aus Verſehen nur 4 Fr. 75 Cent. nahmen und einen Frank darin ließen. Während deſſen wird der arme Teufel durchſucht, aufgeknöpft, muß alle Ta⸗ ſchen umkehren. Man will ſeine Uhr; er hat keine. Darauf will man ihm ein Paket, welches er unter dem Arm hält, wegnehmen, allein er ruft: Ach meine Herren! laſſen Sie mir meine Inſtrumente, ſonſt muß ich mich erhängen! Es waren drei Klarinetten in dem Paket.Ja, ruft einer der Räuber,laßt ihm die Inſtrumente; man muß Niemanden ſeinen Vroderwerb nehmen, jeder gewinnt ſein Leben wie er kann. So ließen ſie ihn laufen, aber einer von ihnen drohte ihm noch nach:Keinen Lärm gemacht oder! Der Beraubte verſprach zu ſchwei gen, als aber in dieſem Augenblik Leute vorbei kamen, rief er zu Hilfe, und man ergriff den jüngſten der vier

. 9 14 Jahr alt war. Auf izei gebracht, geſtand er

unter Bitten und Thrä daß er Glintz heiße, aneh g Ka⸗ meraden anzugeben, w man Nach⸗

ſicht mit ihm haben wolle. So wurden die drei andern verhaftet, deren älte ſter erſt 18 Jahr alt iſt, die aber mit der größten Frechheit und Beharrlich keit läugneten. Nichtsdeſtoweniger er⸗ klärte ſie die Jury für ſchuldig, und ſie wurden zu reſpektive 7 und 6 Jahr Gefängniß, und Glintz, angeſehen ſei ne Jugend und ſeine Bereitwilligkeit zum Geſtändniß, zu dreijähriger Ein⸗ ſchließung in ein Beſſerungshaus ver⸗ urtheilt.*

Paris. Zu Aignesmortes hat man eine Entdekung gemacht, welche

die Neugierde lebhaft erregen muß. Eine 72 Fuß lange und 9 Fuß breite Galeere war in einer Tiefe von 7 Fuß in einem Graben, den man zu Anle⸗ gung einer Chauſſee auf dem Vidourle auswarf, gefunden. Die Bohlen ſind ſämmtlich vollkommen gut erhalten; man zählt deren 81 an jeder Seite. Dieſe Galeere gehörte unfehlbar zur Expedition des h. Ludwigs nach dem heiligen Lande; ſie befindet ſich an dem Orte, wo die Flotte der Kreuzfahrer vor Anker lag. Die Arbeiten ſind gleich unterbrochen worden; dies iſt eine Bürgſchaft, daß die Autorität alle Sorgſalt anwenden werde, um die Ga⸗ leere unverſehrt auf die Oberfläche zu bringen.. Rennes. Ein ſeltſamer Fall der Falſchmünzerei iſt hier vorgekommen. Der Angeklagte iſt ein Mann von über achtzig Jahren, gewandt und werkthä tig, welcher ſchon alle Arten von Pro⸗ feſſionen getrieben hat, Stükgießer, Schreiner, Mechanikus geweſen iſt. Vor langer Zeit ſchon hatte er eine Art von Flügel erfunden, mittelſt deren er über das Thal St. Sulpices zu Jou⸗ geres wo er wohnte wegflog. Indeſſen brach ihm einmal eine Spring feder da- bei, ſo daß er einen ſehr ſchlimmen Fall that. Da er 800 Fr. Renten hatte, dachte man nicht daran ihn für einen Falſchmünzer zu halten, doch ein Zufall verrieth ihn. Er hatte immer nur 2 Sousſtüke gemacht, die aber in der That vortreſſlich geſchlagen waren. Im Verhör ſagte er aus, er habe dies nur ſelten und nur zu ſeinem eigenen Gebrauch gethan. Man hat bei ihm alle Inſtrumente die er zu ſeiner FJa⸗ brikation brauchte gefunden. S. Danzig. Am frühen Morgen vor der erſten Aufführung des Alpen⸗ königs v. Raimund erhenkte ſich ein Theaterarbeiter an einer Gallerietreppe des Schauspiel hauſes, und zwar in ei⸗