Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
127
 
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Novellen von unſerem fleißigen Schulh⸗ macher an das Licht treten. P.

Rorreſpondenz.

Wien(20. Febr.). Hier produ⸗ ziert ſich bereits längere Zeit ein ſchwarzes Spizhündchen unter dem Na⸗ ;Det gelen Nor Saphir hat ſeine Biographie geſchrie ben, aber in Hinſicht ſeiges Herkom mens nicht genügenden Aufſchluß gege ben und ich beeile mich, der gelehrten Welt, wozu jedenfalls der gelehrte Mohr zu zählen iſt, das nachzuholen, was der Biograph verſäumte. Dieſes Phänomen in der Thierwelt, dieſer Kant aller Hunde heißt eigentlch S pi zius Hoffmann, und iſt ein Enkel des berühmten Spizes, der Jean Paul ſo wirkſam unterſtüzte, als er die Hundspoſttage ſchrieb; wie aber die Gelehrten ſchon ſind, und es manchmal vorziehen, unter fremden Namen zu erſcheinen, ſo wählte ſich auch S pi zius Hoffmann einen anderen Na men und trat als Mohr in die Welt. Vielleicht wollte er damit auf die ge wöhnliche Armuth der Gelehrten hin deuten, die auch immer ſchwarz ſind 7). Schade daß dieſer Spiz kein Rezen ſent wurde, er hätte jedenfalls ſ pi z⸗ findige Rezenſionen geſchrieben, und wenn es Bullenbeiſſer unter den Kritikern gibt, warum keine Spize? Spizius-Hoffmann-Mohr wäre ganz der Mann dazu, er könnte jedes Stük gehoͤrig beſchnüffeln, er röche ſchon von Weitem den Braten und ob wohl er nicht zu ſchreiben verſteht,

7 Dem Wiener Korreſpondenten wird mans verzeihen, daß er einen Wiener Lokalismus gebraucht.

1 78 ch war z ſein heißt näm⸗ lich:nicht bei W

re es ihm ein Leichtes, aus ſeinem Let⸗ ternkaſten die netteſten Rezenſionen zu⸗ ſammenzuſezen und dabei die ohnehin ſchon ſtereotyp gewordenen Formen und Epitheten ſchönſtens zu benüzen. So verfehlt in dieſer Welt manches Ta⸗ lent den Weg, den es zur Unſterblich keit führen könnte. Was des Hünd⸗ chens Kunſtſtüke anbelangt, ſo krregen ſie wirklich gerechtes Erſtaunen, und man weiß nicht, ſoll man mehr die Ge⸗ duld des Lehrers oder die Kapazität des vierfüßigen Skolaren bewundern. Er rechnet, ſezt Worte zuſammen, ſpielt Domino u. dgl. m., kurz er iſt ganz gewiß verſtändiger als man⸗ cher N. N. Das herrliche Gebäude der priv. öſterr. Nationalbank iſt ſeit dem glorreichen Geburtsfeſte Se. Ma jeſtät des Kaiſers mit laufendem Gaſe beleichtet. Das Impoſante dieſer Be leuchtung iſt unbeſchreiblich. Taghelles Licht übergießt alle Gänge und Ge mächer des großartigen Pallaſtes, als wollte es den Tag ſein Recht ſtreitig machen. In Menge hatten ſich die Schauluſtigen verſammelt und entzükt und zufrieden über den überraſchenden Anblik verließen Alle den Ort, mit dem Wunſche, daß dieſe nüzliche und ſchöne Erfindung recht allgemein benüzt werden möchte. Der Wiener-Tun⸗ nel, das ſogenannte Elyſium, iſt nun in einenTempel der Nacht verwandelt worden. Eine Menge Se lige(Wein⸗, Tanz⸗ und Liebes⸗ Selige) beſuchen dieſes Elyſtum noch immer, wo Herr Franz Schauer als Muſikdirektor den Reigen anſtimmt. Cyklopen und Najaden(Schloſſerge ſellen und Wäſcherinen) tragen zur Illuſion manches bei und wenn nicht die drükende Hize eher an die Hölle und der manchmal unangenehm wer- dende Geruch an den Tartarus mit dem Styr mahnte, ſo könnte eine rege Phantaſie vergeſſen, daß man in einem