Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
109
 
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Leitung der Novitäten und Anfichten.

Theater.

Wien(12. Feb.). Naimund's Verſchwender kam am 6. d. M. im Theat. in. d. Leopoldſtadt zur Aufführung. Den geehrten Leſern wird dies oft und viel beſprochene geniale Werk dem Inhalte nach ohnedies längſt bekannt ſein und ich kann daher mei⸗ nen Bericht auf die Darſtellung allein beſchränken. Nicht leicht kann ſich ein Dichter eines ſo großen Antheiles rüh men, als Raimund. Dieſes ſein neue⸗ ſtes Produkt, welches ſchon früher im Theat. in d. Joſephſtadt häufig gege ben wurde, erſchien nun auf einer an- dern Bühne und ganz Wien war ſo ge ſpannt und begierig auf ſelbes, als handle es ſich um eine neue Piece. Das Intereſſe amVerſchwender war ein doppeltes, man war erfreut ein Stük, das ſo viele Schönheiten und ſo gro ßen poetiſchen Werth hat, wieder zu ſehen und war neugierig, wie ſelbes im Vergleiche zu der früheren befriedigen den Beſezung auf einem andern Thea ter werde dargeſtellt werden. Die Di rektion und die Mitglieder des Leo poldſtädter Theaters hatten einen ſehr ſchweren Stand, ſie hatten Vergleiche auszuhalten und mit Vorurtheilen zu kämpfen. Schon um 4 Uhr war das Haus im ſtrengſten Sinne des Wortes überfüllt und als um halb 7 Uhr J. J. K. K. Hoheiten die durchlauchtigſten Herrn Erzherzoge Anton Victor, und Franz Carl, die die Vorſtellung mit Ihrer Gegenwart beglükten, die Loge betraten, begann die Ouverture. Kreuzer s Muſik iſt eben ſo herr lich und beſtechend, als die Dichtung ſelbſt und ſchon bei der Ouverture be gann der Beifall laut zu werden. Als aber der überraſchten Menge die auf

dieſem Theater nie geſehene Pracht in den Dekorationen und in der Kom parſerie und das tadelloſe, fleißige Spiel aller Mitwirkenden mehr und mehr ent faltete, da wollte der Applaus gar nicht mehr enden. Man kann der Di⸗ rektion zu Acquiſition, die ſie mit Hrn. Raimund machte, Glük wünſchen, aber auch dem Dichter iſt zu gratuliren, eine Direktion gefunden zu haben, die keine Koſten ſpart, ſein Werk zu ver⸗ herrlichen und die Achtung auszuſpre chen, die ſie für das Publikum bei je der Gelegenheit an den Tag legte. Der Direktor F. Edl. v. Marine l li ward auch am Ende der Vorſtellung lärmend gerufen und die Anweſenden lohnten auf dieſe Weiſe das ſchöne Streben dieſes liberalen Mannes. Eben ſo ward den Dekorateurs Deo l- liner und Mayr wohlverdienter Beifall für die über alle Begriffe ſchö⸗ nen Dekorationen geſpendet. Was das Spiel der Mitwirkenden betrifft, ſo ſah man, wie ſehr es jedem Einzel nen Ernſt war, ſein Möglichſtes zu leiſten, und daß Ehrgeiz der Impuls war, der das Ganze leitete. Delle. Peroni(Cheriſtane) u. Hr. Quandt (Ftottwell) waren vorzüglich. Hr. Rai mund(Valentin) entfaltete einen Reichthum v. Laune und Gemüth, ei ne leider ſo ſelten gewordene Erſchei nung, daß die Zuhörer nicht wußten, ob die feuchten Augen eine Folge des herzlichen Lachens oder der Rührung war. Valentin iſt unſtreitig eine der ausgezeichnetſten Darſtellungen dieſes vielſeitigen Künſtlers und es iſt die Frage, ob dieſe Rolle je erſezt werden könnte. Hr. Tomaſelli(Baumei⸗ ſter), Hr. Hausmann(Chev. Dumont) und Mad. Schmidt(altes Weib) trugen redlich das Ihrige bei. Herr Lang(Azur) war klaſſiſch. Seine