Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
89
 
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Mittwoch, 1m. Februar. 1853.

Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

Halbfähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen

8 ſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten 5(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Kupferabdrüten 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. 2

lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.

Die venetianiſchen Bräute.

5(Beſctuß.)

Wenn die Tapfern die Piraten ohne uns erreichen, ſo ſind ſie verlo reu, ſagte der Doge Candiano, indem er auf dem Verdeke ſeiner Galeere unruhig hin- und herſchritt;die Fahrzeuge der Räuber ſind zu hoch und ſtark, als daß ſie ſich mit denſelben meſſen könnten; oder mit Gottes Hilfe wird der Wind ſich erheben, und wir werden ſie einholen.

Aber die Hoffnung des Dogen konnte die Befürchtung nicht beruhigen, als die Zeit verging und die leichten venetianiſchen Fahrzeuge einen Punkt erreichten, wo ſie näher an den Räubern als an ihren Landsleuten waren, die ungern ſo weit zurükblieben.Ach nur ein Segel voll Wind! Einen Hauch! Einen Hauch! hörte man jeden Augenblik auf den Galeeren, und manche Männer darin hätten ihr ganzes Veſizthum darum gegeben. Endlich, endlich erhob ſich der Wind.

Ungefähr eine Stunde vorher, ehe die Sonne die Mittagslinie berührte, ſah man ein leichtes Gekräuſel, im Anfange in weiter Ferne, aber immer näher und näher; dann hörte man ein leiſes, kaum vernehmliches Rauſchen in den Segeln und dem Tauwerke; die Flagge des Dogen bewegte ſich, brei⸗ tete ſich aus und erhob ihre ſeidenen Falten ein wenig, und mehr und immer mehr, bis endlich der Löwe des heiligen Markus ſtolz in der Luft flatterte.

In demſelben Augenblike ſpannten die Venetianer alle Segel aus und die Hoffnung des Dogen wurde erfüllt, denn der Wind wehete friſch. Die Galeeren glitten über die Wogen hin, welche ihren kühlenden Schaum auf die ermübeten, nun erlöſeten Ruderer ſprizten.