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* Lanner zum zweiten-und leztenmale die Mu⸗ ſik dirigirte. Wir glauben, die Annalen Peſths haben kein gleiches aufzuweiſen. Die Zahl der Anweſenden ſtieg über 3000! ueber Drei— tauſend Menſchen in den eleganteſten und feſtlich geſchmütteſten Anzügen wogten oder nielmehr drängten ſich in dieſen weitläuſigen prächtigen Marmorhallen, und vergaßen die erſtitend warme Luft, die zahlreichen links und rechts unvermeidlich empfangenen Ellen— bogen⸗Berührungen und Fußkontuſtonen 1 endlich die durch das immerwährende auf ei nen Plaz gebannte Stehen veranlaßte Mü— digkeit(denn nur wenige Damen konnten von den Sizen Gebrauch machen) und labten ſich an den erqulkenden Tönen, die der Wie⸗ ner Orpheus von ſeiner Orcheſter Tribune herab in ſo reichlicher Manigfaltigkeit und in ſo unausgeſezter Fülle ſpendete. Dle jungen Leute aber konnten bei dem beſten Willen übrer ſo im Buſen gehegte und gepflegte edle Tanzluſt nicht recht Luft machen. Vergebens hörte man den Ruf:„Plaz! Plaz!“ Verge— bens waren Bitten und Drohungen, verge— bens entfalteten ſich Blite, die halb un— muth halb Zorn ausdrükten— die gaffende Menge konnte keinen Schritt weichen, um den ſchmachtenden Tänzern einen ungeſtörten Dop— pelgenuß: die Muſik zu hören und ſich zugleich nach ihrem Takte zu drehen, zu gewähren. Nur wenn hie und da zufällig eine Lüke ent—
ſtand, benuzten es die jungen Herrchen und
Dämchen ſehr geſchikt, um troz der 35⸗gradi— gen Hize ihre Walzer en trois und en deux pas in Ausführung zu bringen. Ja dieſe zwei Schritt Walzer, die muß man ſehen, und man ſage noch, daß unſere Sitten nicht Fort— ſchritte machen! Wie mag ſich wohl manches Mütterchen freuen, ihr hoffnungsvolles Töch⸗ terchen in ſolcher Situation zu erbliken! Gu— tes Mütterchen, denkſt du nicht auch an einen braven Schwiegerſohn?— Sowohl unter Tän⸗ zern und Nichttänzern, gewahrte man die ele— ganteſten Anzüge und man überzeugte ſich, daß wir die Moden ſehr ſchnell von Paris er⸗ halten. Viele Klelder konnten die Meiſter⸗ ſchnitte Rosmaniths, Muindſzentys und anderer ausgezeichneter Kleidermacher Peſths nicht verläugnen. Einzelne ſchöne Toi— letten anzuführen wäre bei der Ueberzahl der anweſend geweſenen, unmöglich. Die Moden— bilder und Modenbcerichte des„Spiegels“ fan⸗
den wir häuſig denüzt. Auch Masken gab e⸗ unendlich viele und auch hierin ſprach ſich gro ßen Theils Geſchmak, Eleganz und Origina lität aus, doch war der Wiz nur bei Weni⸗ gen originell.— Der Beifall, den Lanner erhielt, war einſtimmig; man bewunderte die Präziſton der Ausführung ſeiner unübertroffe nen Kompoſitionen. Die neuen, während ſei— nes kurzen Aufenthalts in Peſth komponirten Walzer, erhielten durch das Loos den Titel: „Monument Walzer“, ein Titel, der zwar dem Verbältniſſe Lanners zu den Peſt— thern ziemlich anpaſſend iſt, aber der Auf gabe, ſich auf ungariſche Nationalität zu beziehen, auch dem in dieſem Walzer vor— herrſchenden ungariſchen Tone keinesweges ent— ſpricht. Die eingegangenen Titel:„Mein Be— ſtes für die Peſther“,„ungar- Klänge“, Magyarismen-„die Peſther Fidelen“ c. wä— ren weit angemeſſener geweſen; doch der Zu— fall wollte es anderſt.— Dieſe neuen nun ge— nannten„Monument⸗Walzer“ gefielen ſchon wegen ihres nationalen Anſtrichs ungemein, ob. wohl wir die Dampfwalzer welt vorziehen würden; doch haben ſie, wie Alles was Lan— ner komponirt, Lieblichteit, Grazie und Me— lodie. Die„TDampfwalzer“, von welchen ſich die Nummern à unds beſonders auszeichnen, erregten wieder enthuſiaſtiſchen Applaus. Der Ball dauerte bis 6 uhr Morgens, zu welcher Stunde die Verſammlung noch immer zahl— reich war. Hr. Lanner wurde faſt vom Bei— fall erdrukt und auf Händen getragen. Auch wurden ihm in dieſer Nacht neuerdings Ge— dichte geſtreut und er ſchied von uns gewiß eben ſo zufrieden mit dem Publikum, als dieſes von ſeinen Leiſtungen hochſt befriedigt war.— J. M.
Modenbild. Nr. 6.
Pariſer Ball- und Soiree⸗ anzüge vom 20. Jan. Bonnet mit Blumen geziert. Kleid von Gaze de Cham— berry mit Blumen und Atlas garnirt. Mö belſtüte neueſter Art.(Hr. Mind- ſzenty,(or. Brükengaſſe, Nro 634) zeich⸗ net ſich auch dieſen Karneval mit ſehr ge— ſchmakvollen Ballkleidern aus, und ſeine Ar— beiten werden von Damen erſten Ranges ausgezeichnet.)
Herausgeber und Verleger Franz Wieſe n.


