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Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbjähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ 2 Man präuumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinvapier mit erſten b Cfeſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Kupferabdrülten 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. 3 lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Die venetianiſchen Bräute.
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(Fortſezung.)
Nachdem alle Paare mit ihrem Gefolge von Verwandten und Freunden am Lande waren, ſtellten ſie ſich in eine Reihe zuſammen und zogen ſo in die Kirche von Olivolo, während die Muſik tönte und die Diener die Brautge⸗ ſchenke, die Juwelen, die goldenen Geſchmeide, die koſtbaren Stoffe trugen. Als das erſte Paar den geweihten Boden des Kirchhofes, die terra santa, be— trat, ſchwieg plözlich die weltliche Muſik und dafür erſchallte ein feierlicher Geſang der Geiſtlichkeit. Eine doppelte Reihe Mönche in ſeltſamer maleriſcher Tracht hatte ſich zu beiden Seiten der Kirchthüre aufgeſtellt und durch ſie hindurch, die ſchweigend und bewegungslos daſtanden wie Bildſäulen vor einem alten egyptiſchen Tempel, gelangte der Zug in das Gotteshaus, wo der Bi— ſchof ihn erwartete.
Die messa cantata hatte begonnen, den Tempel füllten die harmoniſchen Töne von mehr als hundert Stimmen, der Weihrauch duftete aus hundert Gefä— ßen, als plözlich ein Schrei der Angſt und des Entſezens, ein banger, greller, langgedehnter Schrei, der aus den tauſend Kehlen der Weiber und Kinder zu kommen ſchien, welche außen vor der Kirche gedrängt ſtanden, zu den erſtaun— ten Bräuten und Bräutigamen drang. Der Gottesdienſt wurde unterbrochen— man ſah einander verwundert an— die jungen Bräute wurden bleich; die jungen Männer eilten hinaus, um zu ſehen, was die Freude des ſchönen Fe— ſtes ſtöre.
Die Urſache blieb nicht lange unbekannt, die Kirche war von bewaffne— ten Männern umringt und der Nuf:„Iſtristen! die Seeräuber, die See— räuber!“ füllten jedes Herz mit Entſezen. Im nächſten Augenblike wurde die


