Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
60
 
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N 60

Staatsmann der Reſtauration; denn dieſer Leichenaker iſt erſt ſeit zwanzig Jah ren offen und umſchließt ſchon zwei Dynaſtien. Doch hindurch durch dieſen Wald von Pyramiden, Obelisken, Hügeln und Säulen, weg von dieſen fri ſchen Gräbern, und blikt nieder von jener Höhe auf die Denkmäler, welche Jahrhundert an Jahrhundert knüpfen! welche Maſſe von Geſchichte liegt hier vor uns! Seht dort die Trümmer des Palaſtes, der ſich für den neuen König von Rom erhob, hier die Kirche des heiligen Ludwig, dort Vonaparte's Stand bild! Seht euch um! wo ſtand der Tempel des Jupiter, wo das Haus der Ninon de l'Enclos, wo Richelieu's Pallaſt? Beſchattet in der Einbildung den Fluß dort unten mit dem düſtern Forſte, der den Myſterien des druidiſchen Gottesdienſtes geheiligt war; laßt durch die engen Gaſſen jenes Eilandes den muntern Zug am Feſte des Bacchus und der Ceres ſich bewegen; bevölkert die Stadt dort mit den wimmelnden Geſtalten vermummter Mönche und gewapp neter Krieger; malt euch die Wirren'der Ligue, das Gemezel der Bartholo mäusnacht, ſeht dort Karl, die unſelige Büchſe in der Hand, am Fenſter ſte hen, und die Seine roth, geſchwellt von proteſtantiſchem Blut! Seht die Stadt in ewigem Taumel ob den Feſten, den Zweikämpfen, dem ehrgeizigen Treiben und Jagen, den Raufereien den unruhigen Edlen jener ritterlichen, galanten Zeit, und dort dagegen die Buden in der Straße Quincampoix, wo die geſunkene Ritterſchaft Frankreichs ſich kläglich zur Schau ſtellt! Seht weiter: Mirabeau auf der Rednerbühne, Lafayette auf dem Marsfelde, hoch zu Roß! Bonaparte kommt aus Egypten zurük und begibt ſich in's Inſtitut, die große Armee paradirt auf dem Carrouſſelplaze, die Koſaken lagern in den elyſäiſchen Feldern, die königliche Garde flieht aus dem Louvre und die Na tionalgarde ſteht zur Muſterung auf den Boulevards! e

Der Hund der Londoner Sprizenleute.

Eine bei Akermann in London erſchienene lithographirte und kolorirte Darſtellung des Brandes des Ober- und Unterhauſes gibt ein ziemlich anſchau liches Bild des Ereigniſſes. Eben daſelbſt iſt ein Bild des bekannten Fireman's dog(der Hund der Sprizenleute) Chance erſchienen, wie er eben aus dem Brande der Parlamentshäuſer hervorſpringt. Er gehörte urſprünglich einem Seidenweber in dem Viertheile Spitalfields, dem er vor einigen Jahren ab handen kam. Als der Weber vor Kurzem nach einem Feuer ging, daß in der Nähe ſeiner Wohnung ausgebrochen war, erſtaunte er nicht wenig, als er ſei nen verlornen Hund mitten unter den Sprizenleuten fand. Er machte ſeine Anſprüche an ihn geltend, erhielt den Hund, und ſchloß ihn nun einſtweilen an, um ihn nicht wieder zu verlieren. Kaum hatte indeß der Hund auf einen Augenblik ſeine Freiheit erhalten, als er weg, und ſpornſtreichs nach der Lon doner Feuer-Anſtalt lief, wo er nun gewöhnlich zu finden iſt. Sobald ein Feuer ausbricht, läuft er nach den verſchiedenen Stationen der Anſtalt, und macht Lärm. Wenn die Sprizen abfahren, läuft er mit, und nun bei der Brandſtätte immer mitten unter dem Feuer und zwiſchen den Löſchenden um her. Ganz beſonders bemerklich machte er ſich bei dem lezten Brande der Par lamentshäuſer in der Nacht zum 16. Okt. Am folgenden Sonntage erhielt er,