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glaͤſer mehrere 1000mal konzentrirt wird. Und doch würden wir auf unſern Thermometern den zehnten Theil der Zunahme eines einzigen Wärmegrades ſchon ſehr gut bemerken. Man müßte daher gleichſam auf den guten Gebrauch ſeines Verſtandes Verzicht thun, wenn man nach ſolchen Erfahrungen noch an⸗ nehmen wollte, daß ein Komet, wäre er auch 10mal größer als der von 1811, einen ſolchen Einfluß auf die Temperatur unſerer Erde ausüben ſollte, deren Folgen man in der Menge oder der Güte unſerer Ernten und Weinleſen noch bemerken könnte.
Sofort bleibt nur noch die dritte der oben angeführten Urſachen übrig, die Anziehung des Kometen, welche man vielleicht doch jene Verände⸗ rung zuſchreiben dürfte.
Wollen wir wieder den Mond als Vergleichungspunkt annehmen. Er zieht allerdings die Erde an, und das Reſultat dieſer Anziehung iſt bekannt lich die Ebbe und Fluth des Meeres. Ohne Zweifel muß der Komet, wenn er überhaupt noch ein Körper von einer nur etwas beträchtlichen Maſſe iſt, eine ähnliche Wirkung auf unſere Meere hervorbringen. Aber wer hat je die Fluth eines Kometen bemerkt? Wohl Niemand. Was aber Niemand bemerkt bat, iſt für uns ſo gut als gar nicht da. Was für uns aber gewiß iſt und bleibt, iſt, daß die Maſſe des Kometen, auch des größten, viel kleiner ſein muß, als die des Mondes.
Der Mond, der das Waſſer des Ozeans bewegt, wird ohne Zweifel auch das noch viel leichtere Meer, welches uns von allen Seiten umgibt, die Luft, bewegen. Das Mittel, die Ebbe und Fluth der Atmosphäre zu ent— deken und zu meſſen, iſt das Barometer. Und in der That zeigt dieſes In— ſtrument eine ſolche tägliche Variation, ein periodiſches Steigen und Fallen der Luft an, welches nur von der Wirkung des Mondes herkömmt. Aber wie viel beträgt dieſe Wirkung des Mondes auf unſer Barometer?— Dort, wo ſie am größten iſt, unter dem Aequator, noch nicht iz einer Linle, alſo eine kaum bemerkbare Diſtanz auf der Skale eines Varometers. Die Maſſe der Kometen iſt aber, wie eben geſagt wurde, noch viel kleiner, als die des Mondes. Alſo wird auch die von den Kometen kommende Variation des Baro— meters noch viel kleiner ſein, als jene Diſtanz. Uebrigens iſt es wohl noch keinem Sachverſtändigen eingefallen, die Wirkung eines Kometen auf unſere Atmosphäre durch das Varometer beſtimmen zu wollen.
Wenn aber die Kometen keinen merklichen Einfluß auf die Temperatur unſerer Jahreszeiten haben, ſo können ſie, ſagt man, wenigſtens unſere Wit⸗ terung auf irgend eine andere Art affiziren; ſie können Stürme und Unge— witter, Hagel, Meteore und dergleichen erzeugen. Allein mit welchem Rechte will man dies behaupten? Nach angeſtellten Nachforſchungen finden ſich im 17. Jahrhunderte 8 ſehr naſſe, und 7 ſehr trokene Jahre, in welchen allen kein Komet erſchien. Im 18. Jahrhunderte aber ſind 5 ſehr naſfe Jahre, de—⸗ ren jedes einen Kometen, 13 naſſe ohne Kometen; und im Gegentheile wieder ſehr viele trokne Jahre mit einem Kometen, und 16 naſſe ohne Kome⸗ ten u. ſ. w. Was ſoll daraus anders folgen, als daß eben nichts folgt.— Nicht beſſer wird es ohne Zweifel mit allen den noch übrigen Unterſuchungen dieſer Art gehen, daher es wohl gerathener ſein möchte, dieſen Gegenſtand nicht weiter mehr zu verſolgen.


