Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
9
 
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2. Mittwoch, 7. Januar. 1853.

Der piegel

Halbjähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu-

Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen

2

8 ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand 2 lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.

Kupferabdrüken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.

Die Neujahrnachtsgeſellſchaft.

(Fortſezung.)

Meines Freundes Vorſchlag fand Beifall. Man beſchloß, während dieſer Stunde die Gläſer unberührt zu laſſen, gab aber dagegen den Auftrag, um Mitternacht den Punſch bereit zu halten und friſch dampfend auf den Tiſch zu ſtellen.

St. begann:

Ach, meine Herren, hören Sie das offene Bekenntniß eines armen Schä chers. Das Jahr iſt zu Ende, wie ſo manche andere vorausgegangene; aber ich ſelbſt bin mit mir noch immer nicht ins Reine gekommen. Ich bin immer noch der Alte. Ich will nicht entſcheiden, ob es zum Guten iſt? Aber meine Schwächen und kleinen Eigenheiten haften noch immer feſt an mir. Ich konnte mich ihrer auch im abgelaufenen Jahre nicht abthun. Noch immer ſehe ich gern in hübſche Augen. Noch immer faſſe ich alle Monate wenigſtens einmal den Vorſaz, mich ins Joch zu duken, und noch immer blieb es nur beim nak ten Vorſaz. Noch immer laſſe ich mich gern von meinem Enthuſiasmus für alle neuen Erſcheinungen der Muſikwelt hinreißen. Noch immer habe ich meine eigenen Gedanken über den Geſchmak des Publikums von wegen des unſinnigen Buches zuRobert dem Teufel. Noch immer bin ich der Meinung, daß Norma ihren Meiſter Bellini neben Gluck, Beethoven und Mozart ſtellt. Noch immer glaube ich, daß die Schröder und die Paſta das haben, was Vol taire:le diable au corps nennt, und was ſich Niemanden geben läßt. Noch immer glaube ich, daß Einfachheit das Geſez alles Erhabenen, und Wahrheit die Norm der Kunſt iſt; daß Herder und Schiller, Jean Paul