Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
838
 
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kommt zum Vorſcheine, daß die Perſon, welche Dem. Rachel ſpielen ſoll, eine Mulattin iſt! Aber darf denn dies in einer Tragödie, welche den Titel Touſſaint⸗Louverture führt, verwun dern? Eben dieſer Held des Dramas war ja ein Neger auf Sankt⸗Domingo, welcher gleich ausgezeichnet als Feldherr und Geſezgeber und ein Charakter war, der an Edelmuth, Gerechtigkeit u. Hu manität mit jedem Weißen in die Schran ken treten darf. Wie dem aber auch ſei, dieſe Entdekung machte großes Aufſehen in der ehrenwerthen Verſammlung. Herr Rachel Vater wurde aufmerkſam, wußte jedoch anfangs nicht, was vorgehe. Er ließ ſich die Sache alſo auseinanderſezen und als er jezt das Wort Mulat tin wieder vernahm, ſtand er in höckſtem Unwillen auf und rief nach ſeiner Equi page. Ein Theaterdiener richtete den Befehl ſogleich an Hrn. Rachels Leute aus; der Vater nahm der genialen Toch ter Arm, warf dem ſtaunenden Dichter einen wüthenden Blik zu und verſchwand. Alle Schritte, welche ſeitdem zur Ver⸗ ſtändigung verſucht wurden, blieben er folglos; der Vater der Schauſpielerin iſt unerbittlich:ſeine Tochter ſoll die Farbe nicht wechſeln. Lamartines Tra⸗ gödie iſt indeß nicht die erſte, welche Herrn Rachels wegen im Theatre-Fran⸗ cais nicht zur Aufführung kam; auch daran, daß Caſimir DelavignesToch ter Cids nicht auf dieſe Bühne kam, ſoll er Schuld geweſen ſein. Das Thea⸗ tre⸗Francais zeigte ſich bei dieſem Aben teuer ſehr neutral, da ohnedies Victor Hugo ein neues Drama fertig hat und in derſelben ſich für Dem. Rachel eine Prachtrolle befindet, wo ſie als Weiße glänzen kann. e London. Im Haypmarket⸗Thea⸗ ter wurde kürzlich eine neue Komödie des berühmten Dichters Sir E. L. Bul⸗ wer aufgeführt, in welcher der Geiſt des altengliſchen Luſtſpiels wieder ins

Leben gerufen iſt. Die Wirkung war, daß Jeder auf ſeinen Nachbar deutete u. meinte, dieſer ſei gemeint. Der Beifall, welcher dieſer Komödie wurde, war dem jenigen ähnlich, mit welchem Pelham aufgenommen wurde. Der Titel der Komödie iſt:Geld. Ein junger Mann, Alfred Evelyn, der in drükend ſten Umſtänden gelebt, wird plözlich reich u. wirft ſich nun in Zerſtreuungen aller Art, überzeugt ſich aber von der Falſchbeit ſeiner neuen Freunde durch das Vorgeben, daß er zu Grunde ge richtet ſei.

Nteratur.

Literariſiches Portfolio. So eben erſchienDer Königs-Enkel u. Die Schlacht bei Mohacs. Zwei hiſto riſch-romantiſche Erzählungen von E. Breier. Wien, 1841, Verlag von Jo ſeph Stökhollzer von Hirſchfeld. (Veſth, zu haben in Hartlebens Buch handlung.) Ungarn iſt reich an hiſtori ſchen Erinnerungen, doch an keine denkt das Volk mit ſo freudigem Stolze und bruſt⸗geſchwelltem Selbſtbewußtſein, als an Andreas des III. Thronbeſteigung u. an die Schlacht bei Mohacs. Keine bie tet daher intereſſantere Situationen u. iſt geeigneter zur Staffage irgend einer anziehenden Novelle. Wir müſſen al ſo ſchon a priori dem Herrn Verfaſſer die ſer auf vaterländiſchem Boden ſpielen den Erzählungen die Wahl des Stof fes nachrühmen, die für die Ungarn nicht anregender ſein könnte. Die Er zähl ung ſelbſt iſt im höchſten Grade feſ ſelnd und ſteigert die Neugierde des Le ſers bis zur Löſung des Knotens, auch zeigt die treffende und faſt zu umſtänd liche Schilderung der Nationaltracht in damaliger Zeit von den eifrigen Stu dien, die der Hr. Verfaſſer hierüber ge⸗ macht hat. In beiden Erzählungen aͤu⸗

ßert ſich ein bedeutendes Talent im Aus⸗