Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
765
 
Einzelbild herunterladen

en N S

*.. eee n eee

Der piegel

für Kunſt, Eleganz und Mode.

Dreizehnter Jahrgang.

Halbjähriger preis à fl., mit Poſtverſendung s fl. Auf Velinpapicr mit erſten Kupferabdrüken 5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M.Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. beh allen k.t. Poſtämtern.

96. Sonnabend, 28. November. 1840.

8 3

Eine Mebenbuhlerin.

N Die jungen Eheleute waren eben vom Tiſche aufgeſtanden, Emilie hatte ſich behaglich in ihren Fauteuil zurükgelehnt. Sie und der Mann ihrer Wahl überließen ſich dem behaglichen Genuß, für den unſere Sprache nur das rohe Wort Verdauung hat finden können. Doch ſtrahlte in den Zügen der jungen Frau nicht jene Zufriedenheit, welche der Magen, den ein berühmter Philoſoph einſt unſer zweites Herz nannte, nach einem feinen Diner über unſer ganzes In- dividuum zu verbreiten pflegt. Nein, Mißmuth, ein gewiſſes Unbehagen, Langeweile, Neugier, und wie alle jene Dämone heißen, die Männern böſe Tage bereiten können, zukten um die ſchönen Lippen, umwölkten die ſonſt ſo ſinnigen Augen, und zwei ſchwere Thränen rollten verſtohlen wie Flüchtlinge, die jeden

Blik ſcheuen, über die roſigen Wangen.Du willſt ausgehen, lieber May?

fragte ſie gedehnt.Ja, liebes Kind, antwortete er und küßte ſie auf die Stirne,du weißt's ja, jeden Nachmittag zu dieſer Stunde ruft mich ein wich tiges Geſchäft von dir, damit ich dann wieder voll Sehnſucht in dein Boudolr eile.Daß du zu mir eilſt! der zärtliche Ton paßt ſchön zu dem Mangel