Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
756
 
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Am 19. d. kam die Wiener Poſſe: Wer wird Amtmann von F. Kaiſer zur erſten Aufführung. Ein nach Raimundſchen Muſtern zugeſchnittenes Opus. Es. ſoll darin Sentimentalität mit Humor gepaart u. Mo ral(2) in heiteres Gewand gehüllt ſein. Aber tein Menſch von gebildetem Geſchmake läßt ſich von ſolchen Profanitäten rühren, und wenn ein Luſtigmacher eine Sittenpredigt hält, ſo weiß man, welche Wirkung dieſe hervor bringt. Hr. Kalſer hat ein nicht übles Stük: Dienſtbotenwirthſchaft geſchrieben; es ent ſprach wenigſteus dem Zwek, die Lachluſt zu erregen; aber hier iſt für die Lachluſt nur wenig geſorgt, und ich bitte Euch, Ihr Lo kaldichter, um Alles in der Welt, laßt mir die Thränendrüſen in Ruhe! zumal wenn Ihr von Eurem Meiſter, Raimund, ſo wenig Ta lentzum Ernſten u. Erhabnen geerbt. Indeſſen geſiel Manches. Vorzüglich die Kou⸗ plets, in deren Vortrag Hr. Rott meiſterlich iſt. Dieſer war überhaupt in der heiterſten Laune und er erſchütterte das Zwerchfell des publitums ſehr. Weniger Gelegenheit hatte Hr. Gäde in ſeiner undankbaren Rolle, ſeine

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Komit zu entwikeln. M.

Heute gibt die berühmte Künſtlerſa milie Lewy aus Wien ihr zweites Konzert im Nationaltheater.

Es iſt neulich in dieſen Blättern von einer der beliebten Schauſpielerin Dem. Ja ritz in Ofen gewordenen doppelten Kranzſpen de geſprochen worden. Wir können nun ver ſichern, daß die beſcheldene, talentvolle Schau ſpielerin keinesweges hiezu Veranlaſſung ge geben habe, und ſie daher kein Tadel treffen könne.

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Landſtraßen. Während in andern Ländern eine Eiſenbahn über die andere ent ſteht und man die Früchte dieſer herrlichen Erfindung in vollem Maße genießt, blieb es bei uns bisher ſaſt nur bei Projekten; denn jene von Preßburg bis Tyrnau iſt erſt halb vollendet und zu unbedeutend, um in An⸗ ſchlag gebracht zu werden. Aber nicht nur, daß wir in unſern Kommunikationsmitteln kei ne ſolchen erſtaunlichen Fortſchritte, wie in andern Ländern, machen, ſo ſchreiten wir lei der darin immer bedeutend zurüt. Unſere Landſtraßen werden täglich ſchlechter und un fahrbarer, was in der That nicht zu verwun⸗

dern iſt, da ſelten Jemand daran denkt, ſie zu verbeſſern. Namentlich iſt es die Straße zwiſchen Wien und Peſth, vielleicht die wich⸗ tigſte und frequenteſte in der Monarchle, die ſich von Jahr zu Jahr verſchlimmert, und in einigen Jahren, dürfte ſie ganz unwegſam werden. In früherer Zeit mußte es lange regnen, bevor die Wiener Poſt in Peſth ver ſpätet ankam, jezt genügt ein Regen von zwel Stunden, um ſie um ach t oder mehr Stunden zu verſpät'gen. Wo will das zulezt hinaus? Daß dies der geſammten Geſchäfts welt große Verlegenheiten verurſachen muß, läßt ſich leicht erachten; aber dieſe werden noch mehr erhoht weeden, wenn ein Mal. das neue Wechſelgeſez an großere Pünktlich⸗ keit, Genauigkeit und Ordnung mahnen und bewöhnen wird. Andere Nachtheile, die da durch dem Handel, dem Verkehre, der Civi⸗ liſation erwachſen, ſind unzählige, und für⸗ wahr wäre eine Verbeſſerung der Landſtraßen für das Land eben ſo wohlthätig, wie die Verbeſſerung des Merkantilweſens. Moͤglich, daß wer in zehn Jahren eine Wien⸗Peſther Eiſenbahn haben werden; gewiß iſt es aber, daß wir in zehn Jabren im Winter die Relſe zwiſchen beiden Hauptſtädten, auf der je zi⸗ gen Landſtraße, nicht werden machen können.

Cäcllienfe ſt. Von Seite des Peſther und Ofner Muſikvereins wird morgen, Sonn⸗ tag, den 22. Nov., Vormittag, um 9. Uhr, in der Peſther Stadtpfarrkirche, zu Ehren der heilig. Cäcilia, als Schuzpatronin der Ton kunſt, ein feierliches Hochamt veranſtaltet, wobei die für dieſes Feſt eigens durch Herrn Kapellmeiſter Ludwig Schindelme iſſer komponirte Meſſe, unter der Leitung des Hrn. Chorregenten Franz Br äuſer, vorgetragen wird. Sämmtliche mitwirkende Vereins⸗ mitglieder, welche hierbei thätigen Antheil nehmen wollen, werden erſucht, bei der Mu ſikprobe, heute, Samſtag, den 22. Novemb., Nachmittag, um hal bedr ei uhr, im Re⸗ doutenſaale ſich gefälligſt einfinden zu wollen.

Modenbild. Uro. 48. Paris, 5. Nov. Hüte von Atlas und von Sammet. Neueſte Mäntel von indi ſchem Reps.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.