Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
721
 
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Kaffeſieber mit dem Erbfeind deſſelben Hr. Johann Gemperle, Schweizer Kaffe Fabrikanten in der Luftſchüzgaſſe in Wien, ſchon längſt eine Offenfiv⸗ und Defen⸗ ſiv⸗ Allianz geſchloſſen, und drittens, zahlen wir dafür, daß wir einen etwas geringeren Kaffe trinken, etwas mehr Kartengeld als in andern Städten, die Differenzen werden daher friedlich be glichen. Doch laſſen wir die Politik ru hen, und kommen wir zu etwas Ande- rem. Der Winter naht mit Rieſen⸗ ſchritten, die Weinleſe iſt auch ſchon vorüber, doch wird dieſes Feſt auch nicht mehr ſo pompös als es früher der Fall war, gefeiert. Unſere wöchentlichen Pro menade⸗Muſiken haben aufgehört, und es bewegt ſich Alles ſo ziemlich einför⸗ mig. Eine kleine Aenderung in dieſer Stille bringt jezt das Gaſtſpiel des Hr. Lendvay bei der ungariſchen Schauſpiel⸗ geſellſchaft des Hr. Fekete hervor; über dieſe Geſellſchaft hat ein Pſeudonym imHirnok, in einem zwar ſchön ge schriebenen, aber doch etwas zu hart geurtheilten Aufſaz ſeine Meinung ab⸗ gegeben, die kein Billigdenkender ganz theilen kann. Im Lob und Tadel ge⸗ he ich gern die goldene Mittelſtraße, es muß in Beiden etwas Außerordent⸗ liches vorgehen, was mich aus meiner Ruhe bringen kann So halte ich we⸗ der unſern Szinészek für Szénészék (Kohlenbrenner) wie der Korreſpondent imHir nok, noch glaube ich, daß auf unſerer Bühne noch kein deutſcher Schauſpieler aufgetreten ſein ſoll, der Hrn. Lendvay gleich käme, wie ich auch ſchon gehört habe. Obwohl Hr. L. auf dem Zettel als einer der erſten Schau⸗ ſpieler des Vaterlandes ſteht, ſo glau be ich doch, daß es noch deutſche Schau ſpieler gibt, die denſelben übertreffen; ich könnte ſogar mehrere nennen, die ſelbſt auf der Naaber Bühne ſchon ge⸗ ſpielt z. B. Löwe, Wilhelmi, Heuteur, Kunſt dc. de. aber ich thue es nicht.

Mir gefällt derſelbe theilweiſe gut, na mentlich in derSchule des Lebens, Kean, dagegen vergriff er ein paar Rol⸗ len, und dann gefällt er mir wieder nicht, wie imMeghäzasottam,Korona von Saluzo. Im Ganzen halte ich ihn für einen denkenden Schauſpieler, der ſchon Vieles gelernt hat, und ſeine hieſige Um⸗ gebung weit überragt, aber ſich noch Ei niges abzugewöhnen, und noch Einiges ſich anzueignen hat. Noch glaube ich, daß es viel beſſer wäre, keine Konverſa⸗ tions⸗Stüke zu geben, da es unendlich ſchwerer iſt:guten Tag, wie befinden Sie ſich kunſt- und naturgerecht vorzutragen als:halt, Vöſewicht! ſtirb, Tyrann! mit Emphaſe zu del la⸗ miren. Alſo laſſen wir den Vauernfeld und Töpfer in Ruhe, und geben wir lieber Dramas aus der neuen franzöſi⸗ ſchen Schule. Heute(den kt.) zum Vortheil des Direkteurs Hr. Fe⸗ kete(J)Lorberbaum und Bettelſtab, und Morgen eine Akademie des bekannten Hrn. Nozſavölgyi. S.

Mignon-Zeitung.

Petersburg. Der Ehrenbürger Gerdau, der ſich lange Zeit mit chemi⸗ ſchen Präparaten beſchäftigte, hat jezt die Kunſt erfunden, Gemälde auf Fiſch⸗ bein abzudruken, u. verfertigt allerlieb⸗ ſte und dabei ſehr dauerhafte Sachen aus Fiſchbein. Seine Tabaksdoſen ſind hübſcher als die papiernen(aus papier maché) und die hölzernen. Der Dekel wird nicht ſchlapp und das Charnier hält lange. Das Fiſchbein wird nicht lakirt, ſondern polirt; erhält die Doſe alſo irgend eine Schramme, ſo läßt ſich dieſem Uebel leicht abhelfen, und die Doſe iſt wieder neu. Die Gemälde auf den Doſen ſind allerliebſt, größtent heils Anſichten von Petersburg und den Um⸗ gegenden. Außer Tabaksdoſen, finden ſich auch Cigarrendoſen u. ſ. w. Auf