719 ger Schlummer bewies, daß ihn keine Schuld an dleſen für Verbrecher beſtimm ten Ort führte. Der Schlafende war Don Garcia. Die Stille der Nacht wurde manchmal durch das mächtige Vrauſen des ſich zeitweiſe erneuernden Wind ſtoßes unterbrochen, der heulend, wie ein Geſpenſt, durch die ſchmalen Gänge des Gefängniſſes irrte; aber das furchtbare Toben des Elementes konnte Gar- cia's rubigen Schlaf nicht ſtören. Er hat die Stürme des Lebens ausgekämpft und abſchließend mit der Welt, die er in ſeiner Bruſt bewahrte, erwartete er ruhig den Augenblik der ihn in eine beſſere abrufen ſollte. Er breitete im Schlafe ſeine Arme aus und ſeinen Lippen entſchwebte, gleich einem leiſen Seufzer, mit dem Namen des heiligen Vaterlandes auch der Elvirens und in die geöffne⸗ ten Arme ſank Elvira!Vater!Elvira! tönte es auf einmal im Ker⸗ ker und die grauen Wimpern Pater Marco's, des ſtummen Zeugen des tie fer⸗ greifenden Auftrittes, benezten ſich mit Thränen, welche über ſein eingefallenes Antliz auf ſeinen ehrwürdigen Vart rollten. Der Vater und ſein Kind, von bitterſüßem Gefühle der Freude überwältigt, fanden lange nicht die Sprache; bis endlich Don Garcia, ſeine Augen troknend und ſelbe auf Elvira heftend, die Stille alſo unterbrach:Träume ich, oder ſehe ich einen Geiſt, der in der Geſtalt meines Kindes die Bruſt, die in wenigen Minuten aufhören wird zu

ſchlagen, zu tröſten kommt?Kein Traum, kein Geiſt, mein Vater! ſagte Elvira, ihre Hände um den Hals ihres geliebten Vaters ſchlingend:Du bhälſt deine Tochter in deinen Armen!Und dieſe Kutte?Verdanke

ich, ſo wie auch mein Hierſein der Güte des Pater Marco.Ach meine Tochter, um wie viel leichter werde ich nun ſterben. Ich habe dich geſehen und meine Lippen, die bald auf ewig verſtummen werden, können dich noch ſegnen. Nur eines liegt mir, wie Zentnerlaſt, noch auf dem Herzen: ich kann dies be drängte Land nach ſo vielen Stürmen nicht ruhen ſehen, weil ſein Inneres mit⸗ leidslos von ſeinen eigenen Söhnen zerfleiſcht wird.Nein, Vater, nein; du darfſt nicht ſterben! Das Vaterland benöthigt ſeine Helden. Fliehe aus dieſem Kerker, wo der Tod weilt. Bewahre deine Tage fär die heilige Sache; die Neligon, das Vaterland und der Fürſt wünſchen und fordern es gleichzeitig von dir.Ich habe bisher nur für ſie gelebt, meine Tochter, und nun werde ich auch für ſie ſterben Die Sache, welche ich bis jezt verfochten, verlangt ein Opfer: daſſelbe verlangt auch der Himmel, damit ſein Groll geſühnt werde; das Vaterland muß ſich im Blute ſeiner kampfgeſtählten Krieger verjüngern und auf ihren Gebeinen der wankende Fürſtenthron eine feſte Stüze finden. Auch auf einem Grabes hügel wird eine Blume erblühen, welche in dem ſchönen Kranze der Vaterlandswohlfahrt erglänzend, den glüklicheren und aufgeklärteren En keln verkünden wird, daß ſie aus Garcia's Blut entſproßen, welches für die hei ligen Rechte ſeines Vaterlandes und ſeines Fürſten von ſeinen Mitgenoſſen als Sühnopfer vergoſſen ward.Nein, nein, mein Vater, ſagte Elvire mit erſtikter Stimme;weder das Vaterland noch der König können ein ſolches Opfer fordern, nur feige Ränkeſchmiede lechzen nach deinem Blute. Du darfſt nicht ſterben als Verräther: die ſpäten Nachkommen würden deinen Namen ver fluchen.Und wenn ich verſuchen würde, mein Leben durch ſchleunige Flucht zu erretten, werde ich dadurch die hölliſche Anklage nicht rechtfertigen, und mir ſelbſt nicht das Verdammungsurtheil ſprechen?Nein, Vater, ſagte Elvira begeiſtert.Wenn du ſtirbſt, nimmſt du den Fleken mit in die ewige Nacht des