Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
654
 
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ſaal, ein Billard ſtand in der Mitte und eine Thüre, die aber verſchloſſen war, führte in die anderen Gemächer des alten, weitläufigen Gebäudes.

Der freundliche Wirth hatte die Herren verlaſſen, ſie legten ſich zu Bette; der Jüngere ſchlief ſogleich ein, der Andere, Baron F., ließ das Licht brennen, und wollte noch, ſeiner Gewohnheit nach, im Bette leſen. Kaum hatte er eine Seite geleſen, ſo hörte er ein Geräuſch, als wenn eine Thüre in ibren Angeln ſich drehte, und fühlte einen kalten Luftzug. Er glaubte, die Thür zum Vorſaal nicht verſchloſſen zu haben, ſtand auf, nahm die Kerze und ſah nach der Thüre, dieſe war aber feſt verſchloſſen, die Fenſter ebenfalls, und er legte ſich wieder zu Bette. Aber neuerdings hörte er das Geräuſch, fühlte den Luftzug, warf den Schlafrok über und begann von Neuem ſeine Nachſuchungen. Als er der Thüre nahete, die in die innern Gemächer führte, fand er ſelbe halb offen, er öffnete ſie ganz und war erſtaunt, das Zimmer hellerleuchtet zu ſehen. Es war ein gro⸗ ßes Gemach mit koſtbaren, aber alterthümlichen Möbeln, in einer Eke ein un geheurer Kamin, auf deſſen Geſimſe in ſilbernen Armleuchtern Wachskerzen brannten und ein Bild, das ober demſelben hing, hell beleuchteten. Das Bild ſtellte einen Mann dar, der fünfzig Jahre haben mochte, er hatte ein ſchönes, ausdruksvolles Geſicht, eine edle ſtolze Haltung, ein ſehr reiches Koſtume und mußte den Herrn dieſes Hauſes vorſtellen. Varon F. ſtand lange vor dem Ge mälde und betrachtete mit lebhaftem Intereſſe das Bild, da hörte er Menſchen ſtimmen und Tritte aus den inneren Gemächern nahen und eine Geſellſchaft meh⸗ rerer Herren trat lachend und mit Geräuſch in das Kaminzimmer. Vorne ging der Mann, deſſen Bild Baron F. eben betrachtete.Willkommen Baron, rief dieſer,verzeihen Sie, daß ich ſie erſt jezt begrüße, ich hatte dringende Ge⸗ ſchäfte und mein Kammerdiener mußte Ihnen ſagen, ich wäre abweſend, jezt wollen wir luſtig ſein. Baron F. war bald in dem beitern Kreiſe, wie ein alter Vekannter und fühlte ſich recht wohl in dieſer Geſellſchaft. Reichgekleidete Diener trugen Erfriſchungen auf, und man plauderte luſtig bis eine Uhr die Mitternachtſtunde ſchlug. Da ſprang der Hausherr unruhig auf und rief:Va⸗ ron F., Sie müſſen noch vor dem Schlafengehen eine Parthie Billard mit mir ſpielen, das iſt ſo meine Gewohnheit. Bereitwillig fügte ſich F. dem Wun ſche des Hausherrn, die Deke vom Billard ward abgehoben, und bereit ſtanden die Spieler.Noch eins, rief der Hausherr,wir ſpielen um keinen geringen Preis, wir ſpielen um unſer Alles, der Gewinnende bleibt Herr dieſes Gutes, der Verlierende verliert Alles. Lachend ging F. die Bedingung ein. Der Haus herr war ein guter Spieler, kein Stoß war ſchlecht, Baron F. ſpielte unacht ſam. Die andern Herren ſtanden in einer Gruppe im Fenſter und einer um den andern ſprach:Er verliert, er muß verlieren. Baron F. ward dieſes halb⸗ lauten Geflüſters müde, nahm ſich zuſammen und gewann.Nun meine Her⸗ ren, rief er, und wandte ſich gegen die Herren am Fenſter,wer hat gewon nen? Alle ſchwiegen und blikten traurig nieder.Herr Baron, rief er und wandte ſich an ſeinen Mitſpieler,ich fordere den Preis aber, verſchwun den war er, und auf dem Billard waren die Worte mit Kreide geſchrieben: n vier Jahren ſollſt du den Gewinn haben. Baron F. wendete ſich wieder zu den Anderen, aber auch die waren verſchwunden, laut krachend ſchloß ſich die Thüre des Nebenzimmers. Baron F. war allein.Freund, rief eine bekannte Stimme,willſt du denn ewig ſchlafen? du biſt über dem Leſen entſchlafen, die