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Sittengeſchichte der Zeit.

Aus Büdingen(Großh. Heſſen) wird unterm 16. Sept. gemeldet, daß in dem kurzen Zeitraume von kaum 14 Tagen in dortiger Gegend drei Mordt ha⸗ ten ſtattgefunden haben. Ein Landman erſchoß ſeine Frau, ein anderer gab ſei⸗ nem Schwiegervater im Streit einen Schlag auf den Kopf, daß dieſer ſtarb, und ein Dritter bekam in der Trunkenheit Streit mit einem Carouſſeldreher und ermordete den Mann durch mehrere Meſſerſtiche.

Am 6. Auguſt, Vormittag 9 Uhr, kam zu einem Gürtler zu Aufham (in Baiern) eine Weibsperſon, drohte der allein anweſenden Magd mit dem To de, band ihr Hände und Füße, eröffnete mit Gewalt zwei Kiſten und raubte Geld und andere Effekten im Werth zu 100 fl. Dieſe Weibsperſon war nur verkleidet und ſoll ein aus dem Arreſte entwichener Verbrecher ſein. Die Magd machte ſich mit vieler Mühe los und ſchrie um Hilfe. Hierauf eilte ſie mit meh⸗ reren Nachbarn dem Räuber nach, ſie holten ihn ſo weit ein; daß er den Korb, worin die geſtohlenen Effekten waren, bis aufs Geld, wegwarf.

Vor einigen Tagen erſchoß eine Weibsperſon aus Augsburg in Lech hauſen einen Schuhmachergeſellen von dort; der Thäterin wurde man nicht habhaft, ſie ſuchte im Lechfluß den Tod.

Kürzlich fuhr in Berchtesgaden ein junger Menſch mit einer Draiſine mehr mal auf der Straße auf und ab. Bei dieſer Gelegenheit äußerte ein Bürger im Scherz:Jezt fährſt du mir nicht mehr vor meinem Hauſe vorüber, worauf jener abſtieg und dem Bürger mit beiden Händen einen Stoß auf die Bruſt ver⸗ ſezte, ſo daß dieſer rükwärts zu Boden ſtürzte und beſinnungslos zu Bett ge⸗ bracht wurde. Troz aller angewandten ärzlichen Hilfe konnte er nicht mehr zur Beſinnung gebracht werden, und verſchied am andern Tage Abends.

Am 2. September Nachts wurde ein Bürger von Augsburg auf dem Heim⸗ wege von Kriegshaber von drei lokern Burſchen, die mit ihm ſchon im Wirt hs⸗ hauſe jenes Dorfes Streit angefangen hatten, überfallen und mit einem Meſſer in die Hirnſchale geſtochen, in Folge deſſen er trepanirt werden mußte und ge⸗ ſtorben iſt. Die Thäter befinden ſich in den Händen der Juſtiz, ſo wie ein Vür⸗ ger, mit dem jene jungen Burſche gefahren waren.

Elicabide hat die Reihe dergebildeten Verbrecher, unter denen Lace⸗ naire bereits ſprichwörtlich geworden, in Frankreich vermehrt. Eine große An⸗ zahl von Geiſtlichen legte übereinſtimmen d Zeugniß ab, daß er mit vielem Ver⸗ ſtand und Fleiße den theologiſchen Studien oblag. Armuth, Stolz und Her⸗ zenshärte erſcheinen als die Urſachen ſeiner Verbrechen.

Ein zu Utrecht in dieſem Augenblik verhandelter Prozeß zieht die allge⸗ meine Aufmerkſamkeit auf ſich. Eine Dame aus dem vornehmſten Stande, die Baronin Taets van Amer ongen, iſt angeklagt, ihr Kind, das im zarteſten Al⸗ ter ſteht, auf alle mögliche Weiſe mißhandelt zu haben, in der Abſicht, den Tod deſſelben herbeizuführen und ſich ſeines Erbes zu bemächtigen.