und Echten, die recht waker ſpielten; in dem Drama erwarb ſich Herr Wag— ner Beifall. M. Prag Hr. Czermak gab auf unſe— rer Bühne als erſte Gaſtrolle den Georg von Morgenſtern in der„Vormund— ſchaft.“ Der geiſtreiche nd. u. ſagt über ihn in der ſoliden u. akkreditirten Zeit— ſchrift„Oſt u. Weſt“ Folgendes:„Hr. Czermak präſentirte ſich als einen recht brauchbaren, gewandten Schauſpieler, und erntete den wohlverdienten Beifall im reichen Maße. Hr. Czermak wurde nach der Liebeserklärung u. am Schluſſe wieder einſtimmig gerufen, und wenn er noch die bei ſeinem erſten Auftreten auf unſerer Bühne ſo begreifliche Vefangen— heit verloren, und den Gebrauch ſeiner Stimme den größern räumlichen Ver— hältniſſen derſelben angepaßt haben wür— de, ſo würde es ihm an ähnlichen gün— ſtigen Erfolgen für die Zukunft nicht fehlen. Hr. Czermak beurkundet in der Rolle des Georg eine gute Doſis unge— künſtelten Humors, u. verſteht es, ſei— ne angenehme äußere Erſcheinung durch eine geſchmakvolle Eleganz zu heben.“
Niteratur.
Literariſches Portfolio. Ein Brüſſeler Journal ſagt:„Man ſpricht von der Gründung einer„adeli— gen, franzöſiſch-belgiſchen Univerſität““, die, weil ſie in Frankreich, wo der Staat das Monopol des Unterrichts ſich angeeignet, nicht beſtehen könnte, bei uns entſtände. Dieſer Einfall wird dem Herrn von Chateaubriand zuge— ſchrieben. In Deutſchland beſucht der Geburtsadel(von den Söhnen der Sou— veräne angefangen) die großen Univer— ſitäten, wo man nur den edelſten aller Adel, den, welchen Gott verleiht, den Geiſtesadel, anerkennt. Mehrere Mitglieder des hohen Geburtsadels zeich— nen ſich in den Reihen des Geiſtesadels
aus. Der Graf von Auersberg(Ana- ſtaſius Grün; iſt ſicherlich Fürſt unter den lebenden Dichtern. Die Prinzeſſin Amalie von Sachſen nimmt einen aus— gezeichneten Plaz ein neben dem ſehr edlen Fürſt-Graf. Der König v. Baiern hat ein beachtenswerthes Dichtertalent, und iſt Mitarbeiter mehrerer Taſchen— bücher. Der Herzog Max von Baiern iſt ein äſthetiſcher Schriftſteller, dem die becken Zeitſchriften anſehnliche Ho— norare zahlen würden, wenn er nicht Herzog und überdies ſelbſt Mitheraus— geber der Theeblätter wäre. Der Kö— nig v. Preußen beſizt in ſeltenem Ma— ße das Talent eines ſchönen Brieſſtyls. Der jezige König von Dänemark iſt ein gründlicher Publiziſt, deſſen Jugendwerk, die von ihm entworfene Verfaſſung Nor— wegens, für immer eines der ausgezeich— netſten Verfaſſungsdenkmäler unſerer Zeit bleiben wird. Dem Herzog von Holſtein, der den Titel:„Doktor der Philoſophie““ führt, wird wohl Nie— mand ſein Diplom ſtreitig machen! Der leider unlängſt verſtorbene Erbprinz Conſtantin von Löwenſtein-Wertheim hat mehrere politiſch-philoſophiſche Wer— ke druken laſſen. Es wäre leicht, dieſe Beiſplele noch zu vermehren; doch wer— den ſie genügen, um zu beweiſen, daß der hohe deutſche Geburtsadel keiner adeligen Univerſität bedarf, um den höchſten aller Adel zu erlangen.— Die meiſten ſüddeutſchen Zeitſchriften wie Almanache haben bis jezt häufig zarte, ſinnige Dichtungen von Betty Paoli mitgetheilt. Dieſe intereſſante Dichte— rin heißt Betty Glück, und iſt eine ge— borene Wienerin. In früher Jugend ſchon verlor ſie den Vater, und folgte, um die nicht bemittelte Muter unter⸗ ſtüzen zu können, kaum 17 Jahr alt, als Gouvernannte einer angeſehenen ruſſiſchen Familie in das Innere Ruß⸗ lands. Seit vier Jahren lebt ſie in Wien im Hauſe eines jädiſchen Woll⸗


