Der Spiegel
für Runſt, Eleganz und Mode.
Dreizehnter Jahrgaug.
Halbjäbriger Preis à fl., mlt Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrüken 5 fl. u. poſtfrel 6 fl. C. M.—Man pränumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. beb allen k.k. Poſtämtern.
76. Sonnabend, 19. September. 840.
— HS
Zu ſp ät! (Beſchluß.)
Eines Abends kam Helmbrand nach Hauſe, ſein Auge blikte nicht ſo freundlich, wie ſonſt, ja es ſchien ſogar feucht von Thränen, die Stirne beſchat⸗ teten Falten deutlich ausgeſprochenen Kummers; theilnehmend küßte ihn ſein Weibchen und fragte mit ſüß flötender Stimme, in welcher ſich die Angſt ihres beſorgten Herzens klar ausſprach, was ihm fehle, was ihm Unangenehmes be— gegnet ſei?—„Da lies ſelbſt, und du wirſt dir meinen Schmerz erklären kön⸗ nen,“ ſagte Helmbrand und reichte ihr einen Brief. Es war ein Schreiben aus der Reſidenz von ſeinem Neffen Alfred, welcher ihm anzeigte, wie er nun ſo ganz verwaiſt daſtehe, da ihm innerhalb einiger Tage der grauſe Würgengel Tod, Vater und Mutter geraubt— ſchließlich bat der unglükliche Sohn, ob er nicht einige Zeit bei ſeinem Oheim zubringen könne, bis ſich ein anderweitiges Unterkommen fände. Alfred war der einzige Sohn von Helmbrands Schweſter, welche dieſer mit den zärtlichen Gefühlen eines Bruders liebte; ſie war in der Reſidenz an einen Kaufmann verheirathet, der in der lezten Zeit bedeutende
) Im vorigen Blatte ſoll es Nro. 75(ſtatt 74) heißen.


