99
heit zu erklaren, daß ſie elnen Dieben verfolgen. Bei dieſem Worte zog das ganze Haus zu Felde, man ſchloß die Thore des Hotels; der Portier, die Küchenjungen, der Eigenthümer, die Einwohner, Alles rannte im Gefolge den Büttel. Während dem kam der Flüchtling in das Zimmer eines Frem— der, der über ſeine haſtige Ankunft nicht wenig erſchrekt war:„Retten Sie mich, mein Herr, retten Sie mich,“ ſchrie er,„ich bin ein armer Teufel, den man eines Wechſels wegen verfolgt.“ Aber der ſich wiederholende Ruf:„Ein Dieb! Ein Dieb!“ drang auch bis zu dem Fremden, der nun ſeinen Gaſt beim Kragen faßte, die Thüre öffnete, und den am ganzen Leibe zitternden Unglüklichen auslieferte; worauf die Handelswache ihre Liſt bekannte, die Bevölkerung des Hotels beruhigte und ſich ihres Opfers bemächtigte.—„Wie, mein Herr,“ ſagte der Fremde,„iſt es kein. Dieb?“—„Nein, mein Herr, es war nur eine Liſt, um ſich ſeiner Perſon zu bemächtigen.“—„Ihr habt da ſehr übel gehandelt,“ verſezte der Fremde;„aber er ſoll nicht ſagen, daß ich an dieſer Abſcheulichkeit Theil habe; ein unglüklicher Schuldner findet bei mir ein unverlezliches Aſyl, einen Die— ben liefere ich aus. Wie hoch beläuft ſich ſeine Schuld?“— Die Handels- wache präſentirte den Wechſel.— Der Fremde lief ihn durch, nahm ein Crayon, zeichnet einige Worte hin, zog aus ſei— nem Sekretair Gold hervor und be— zahlte die Schuld des Schuldners, der nicht wußte, wie er Worte des Dankes für dieſe großmüthige Handlung finden ſollte.
Bergamo. Man lieſt im Mai— länder„Echo““:„Abermal eine Meta— morphoſe! Vernünftige zweibeinige Krea⸗ turen als vierbeinige Zugthiere umge- wandelt, Menſchen ſtatt Pferden an
den Wagen geſpannt, um darin thea⸗
traliſche Triumphatoren in den Stra⸗ ßen zu promeniren. Auch bei uns hat muſikaliſcher Ultraismus die Köpfe er⸗ hizt, und ſich in treibende Dampfkraft entwikelt. Der Kompoſiteur Donizetti, unſer Landsmann, wohnte jüngſt der Vorſtellung ſeiner Oper:„L'Esule di Roma“, mit der die Meſſe-Stagione eröffnet wurde, bei. Während ſelber ward ihm eine donnernde Applaus-Her— vorrufung und Sonetten-Ovation, nach derſelben aber gar die Improviſation, in einer Kaleſche, ſeinen Lehrer Simon Mayr zur Seite, mit Fakelſchein und türkiſcher Bande unter Jubelruf, von Männer- Geſpann nach Hauſe gefahren zu werden!“
Etwas von Allem. In Wien ſind die Beduinen angekommen und pro⸗ duziren ſich im Wiedner Theater. Sie werden in der Theaterzeitung ſehr ge— lobt.— Als Beiſpiel der Maßloſigkeit der heutigen Spekulanten in ihren Scheingeſchäften wird erzählt, daß in Paris in einem einzigen Monate mehr Branntwein auf der Vörſe verkauft wur— de, als ganz Frankreich in fünfzig, ja in hundert Jahren produziren kann.— Der unter dem Namen der Eremit von Gauting bekannte Baron von Hallberg in Baiern tritt im Oktober eine Reiſe nach Egypten an, wo er be— kanntlich ſchon einmal war und von wo er die Reiſe nach Perſien und Indien fortzuſezen gedenkt. Er ladet Herren und Damen höflichſt ein, die Luſt ha— ben ſollten, die Reiſe mitzumachen.— Die Zahl der verſchiedenen Sprachen, die in der ganzen Welt geſprochen wer— den, beläuft ſich mit Inbegriff der Dia⸗ lekte auf 3065, hievon kommen 487 auf Europa, 284 auf Afrika, 194 auf Au⸗ ſtralien, 1282 auf Amerika und 848 auf Aſien.— In Neapel macht im Theater S. Carlo endlich eine Sänge⸗


