Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
545
 
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fen. Andere Rollen von mehr ernſtem Charakter dürften ſeiner Individualität zuſagender ſein. Dem. Müller war ganz das liebenswürdige Liesli, das gleich beim erſten Anblike das Herz eines feurigen jungen Mannes verwun den kann. Mad. Schindelmeiſſer gab die Comteſſe mit jener angemeſſenen Feinheit, die den eben nicht liebenswür digen Charakter zum intereſſanten ge ſtaltet. Sie ſpielte mit Wahrheit und großer Natürlichkeit, wodurch ſie ſich den Beifall des ganzen Publikums er warb. Die italieniſchen Gäſte haben die Puritaner-Scharte brillant ausge wezt; die Aufführung von Donizetti's: Lucia di Lammermoor war eine durch gehends gelungene, die mit verdientem enthuſiaſtiſchen Beifalle aufgenommen wurde. Beſonders war es Sgr. de Bez zi(Edgardo), der durch ſeine vortreff liche Kunſtleiſtung, die in allen Nuan cen das Gepräge vollendeter Studien trug, überraſchend entzükte. Ergreifen de Wahrheit u. Natürlichkeit markirte ſein Spiel, leidenſchaftlichen Ausdruk athmete der deklamatoriſche Vortrag. Das Duett mit Lucie:Sulla tomba war mit eben ſo viel Zartheit geſun gen, wie das in lebender Erwartung vorgebrachte:sono le tue eiffre? und das mit gekränkter Bitterkeit mar⸗ kirte:se tradir mi tu potrei zum lärmendſten Applauſe hinriß. Das Duett (Tenor und Baß) im 3. Akt. mußte wiederholt werden; die Schlußarie ſang der Künſtler mit gleicher Meiſterſchaft. Sgra. Mazza bewies in der Titelrolle ein ſchönes Talent für die Seria, auch ſie hatte richtige Deklamation ins Au- ge gefaßt, u. ihr kräftiger Mezzoſopran war ſtellenweiſe von überraſchender Wir kung. Die Wahnſinnsſzene war ſowohl in muſikaliſcher, wie in dramatiſcher Be ziehung ausgezeichnet. Kraft voll drang auch Sgr. Paltrinieri's klangvolles Or gan durch z auch ihm wurden häufige Bra⸗

vos geſpendet. Die Enſemble's gingen trefflich, das ſchöne Sextett im 2. Fi⸗ nale mußte wiederholt werden. Der Beſuch war ſehr zahlreich.

Semper idem.

Literatur.

Literariſches Portfolio. Da ſich jezt die entſchiedenſten u. ober ſten Mächte im Wiſſen, Leben u. Den ken auf Bücher und das gedrukte Wort überhaupt konzentriren, iſt es auch eine natürliche Folge, daß man der Bücher kenntniß und Allem, was damit zuſam menhängt, beſondere Aufmerkſamkeit u. Pflege widmet. So exiſtiren z. B. eine ziemliche Mengebibliographiſcher Blät ter, welche möglichſt ſchnelle Kunde von dem Vorhandenſein der Bücher ge ben, ſo daß man nun nach Bedürfniß und Neigung ſogleich zugreifen u. aus wählen kann.Die literar. Zeitung, das Repertorium,das Vörſenblatt für den deutſchen Buchhandel,die bibliographiſchen Anzeigen haben aus ſchließlich den Zwek, die Kunde von er ſchienenen Büchern raſch und möglichſt allgemein in's Publikum zu bringen. Ein beſonderes Organ iſt hier diePreß zeitung von Dr. J. E. Hitzig, welche ſich das äußerliche Schikſal der idealen Güter, inſofern ſie gedrukt und allge mein zugänglich geworden ſind, aus⸗ ſchließlich zum Zweke ihrer Beſprechung geſezt hat. Die Preſſe iſt dermalen eine ſo große Macht und die Kriſen derſel ben ſind ſo bedeutend, und in's Ent ſcheidende arbeitend, daß ein beſonderes Organ dafür wahres Bedürfniß iſt. Mit welcher Uneigennüzigkeit, Sachkennt niß und Liebe dieſe Zeitung geleitet wird, müſſen Alle geſtehen, die ſie be⸗ reits kennen gelernt haben. Juſtinus Kerner ſcheint von der Richtung, die er in ſeiner Wiſſenſchaft genommen, mehr bedrükt als erhoben, wenn wir nach