Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
534
 
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nämlich nicht in den Zurüſtungen zur Hochzeit, ſondern in neuem und wo mög⸗ lich noch ſtärkerem Gelderwerb. Und er erlangte die Zuſicherung des Verlang ten durch Lieschens Fürſprache, die Alles über ihren Vater, der nur ihr Glük wollte, vermochte. Freilich verſprach er mit der bewilligten Summe, die ſo ziem⸗ lich das ganze Vermögen ſeines künftigen Schwiegervaters ausmachte, die gepach tete Mühle zu kaufen, zu vergrößern und ſtattlich einzurichten; freilich gelobte er feierlich, ſich in vier Wochen mit ſeiner Braut am Altar zu verbinden und dann mit ihr und dem gar zu guten Vater(wie er zweideutig verſicherte) in das neue Beſizthum zu ziehen. Aber was kümmerten ihn Verſprechungen, die zu halten ihm nicht in den Sinn kam? Sein Dichten und Trachten ging nur dahin, ſchnell Herr des Geldes zu werden, hierauf den Thalbewohnern im Stillen erwiges Lebewohl zu ſagen, dieſe Gegend mit einer fernen zu vertau ſchen und ſo jeder gefährlichen Nachforſchung liſtig vorzubeugen. Doch dieſer Plan follte ihm nicht gelingen.

Der Verkauf der liegenden Gründe des Landmanns zog ſich in die Länge und das war dem Böſewicht langweilig und verdrießlich zugleich. Denn Angſt und Furcht ließen ihm keine Ruhe, es duldete ihn nicht in der Hütte der Guten, ihre freundlichen Blike, ihre herzlichen Geſpräche waren ihm zuwider, und wenn er vollends mit Lieschen zärtlich koſen und ſchäkern ſollte, mußte er ſich Gewalt anthun, um ſich nicht zu verrathen. Und ſchon war er im Begriff, die Larve der Scheinheiligkeit abzulegen und ſich in ſeiner wahren Geſtalt zu zeigen, als ein nicht eben ſauber gekleideter Burſche von unfreundlichem Aeußeren den jun⸗ gen Mäller eilends abrief. Nach einem flüchtigen Adſchied von der Braut(der Vater war abweſend), lief er haſtig von dannen, vergaß aber nicht, Lieschen leiſe einzuſchärfen, die bewußte Sache durch ihren Vater ſchnell ins Reine zu brin⸗ gen. Verwundert und das hübſche Köpfchen traurig ſchüttelnd blikte das Mäd chen den Beiden nach, und als ſie die Berge ihren Augen entzogen, ging ſie in ihr ſtilles Kämmerlein und weinte bitterlich. O, ſie hätte Thränen der Freu de vergießen ſollen!

Kaum waren Beide fortgegangen, ſo kehrte in ungewöhnlicher Eile und Aufregung ihr ſonſt ſo bedächtiger Vater von dem Gange zurük, den er wegen des Verkaufs ſeiner Habe unternommen hatte, und fragte ſchon im Hofe nach Reinhard. Verſtimmt antwortete Lieschen, daß er vor Kurzem in Begleitung eines Fremden ſie verlaſſen habe.Gut, entgegnete der Alte,daß er weg ging, ſo brauche ich ihn nicht wegzujagen. Ein ſauberer Patron! und(hier

wendete er ſich haſtig zu ſeiner Tochter) daß du es nur weißt, es iſt aus mit

der Heirath zwiſchen dir und dem Elenden. O Gott(jammerte er weiter und große Thränen entglitten zum erſten Mal nach dem Tode ſeiner Frau ſeinen Augen), o Gott, womit habe ich in meinen alten Tagen dieſes Unglük, dieſe Schmach verdient! Ermattet ſank er nach dieſen und ähnlichen Ausrufun⸗ gen auf einen Seſſel und ſchwieg; das arme Lieschen aber war troſtlos über des Vaters Worte, die ſie nicht begriff und die ihr doch tief in die Seele ſchnitten. Erſt nach geraumer Zeit ermannte ſich der Greis, ergriff wehmuthsvoll die Hand ſeiner Tochter, küßte ihr bleiches Geſicht und ſprach ernſt und feierlich:Tröſte und ſtärke dich Gott, mein Kind, ich vermag es nicht! Nur ſo viel erfahre jezt: du haſt dein Herz einem Elenden, einem Böſewicht verſchenkt, der dem Arme der Gerechtigkeit verfallen iſt.! Da ſank die Vejammernswerthe ohn⸗