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kehrte Lieschen zurük, lobte die Emſigkelt des Begleiters im Pflüken von Wald— und Wieſenblumen und erklärte, daß ſie ohne ſeine Hilfe das, was ſie zu den Kränzen nothwendig brauche, heute nicht zuſammen gebracht habe. Und doch waren ſie mehrere Stunden ausgeblieben. Aber bevor ſie nun Blumen ſammel⸗ ten, redete der Fremde(doch nein, er war ihr ja nicht mehr fremd, er hatte ja ſelbſt ihre Traurigkeit, ihren Schmerz über Mariens Tod ganz in den Hin— tergrund der Seele verſcheucht!) ſo vielerlei, wußte des Mädchens Theilnahme für ſein Geſchik in einem ſo hohen Grade zu erregen, daß ſie beinahe den eigent— lichen Zwek ihres Spazirgangs vergaß. Und als ſie endlich Blumen pflükten, wie verſtand er es herrlich, bei jedem Sträußchen, das er überreichte, ihr im— mer etwas Herzliches zuzuflüſtern, ſie zu tröſten über ihren Verluſt, ja ſogar leiſe darauf anzuſpielen, daß ſie gewiß glüklicher, als ihre Freundin werden und an der Seite eines braven Mannes auf den Händen getragen werden würde. Und wie er dies ſagte, antwortete ſich ſchmollend:„Ich will nicht heirathen!“— ſondern blikte ihm erröthend in die Augen, mußte aber die ihrigen gleich wieder niederſchlagen, als ſie das ſonderbare Feuer derſelben wahrnahm. Einmal(ſie wagte es ſich damals gar nicht zu geſtehen) hatte er ihr gar beim Ueberreichen von Blumen die Hand gedrükt— und das durchzukte ihren ganzen Körper und brachte ihr Herz zum lauten Pochen. Spät Abends legte ſich das Thalmädchen zur Ruhe, ohne ſie— vielleicht heute zum erſten Male!— gleich zu finden. Sie wollte der Verſtorbenen gedenken und für ſie beten, und dachte bee nur an den Fremden; ſein Bild verdrängte Mariens bleiches Antliz und ſie fühlte ſich dabei ſo wohl und leicht, daß ſie der Freundin keine Trhäne zu wei— ben im Stande war. Und als ſie die Augen zum Schlummer ſchloß, ſtand Rein— hard auch im Traume lokend und verführeriſch vor ihr.
Seit dieſem Tage war es um Lieschens Frieden und Herzensruhe geſche— hen. Der ſchlaue Müller ließ in den nächſten Tagen kein Mittel, keine Gele— genheit entſchlüpfen, des Mädchens entkeimende Neigung zu nähren, zu ſteigern und durch glatte Worte zu ſeinen Gunſten zu benuzen. Und ſo gelang es ihm, daß, noch ehe er das gaſtliche Haus verließ und in einer nahe gelegenen Mühle den Dienſt als Müllerburſche antrat(was er übrigens— wir werden balb ſe— hen— weshalb?— von einem Tag auf den anderen verſchob) Lieschen dem Manne ewige Liebe und Treue ſchwur. Nun ſchwamm ſie in einem Meere voll Se— ligkeit. Auch der Alte ſah das entſponnene Verhältniß gern und war ſtolz dar— auf daß ſeine theuere Tochter einem ſo geſcheidten, erfahrenen und hübſchen Burſchen als Gattin gehören ſolle. Ob er Vermögen beſize, oder nicht, kam bei ihm nicht in Anſchlag: er ſelbſt hatte ja ſo viel, um durch den Verkauf ſei— ner liegenden Gründe dem jungen Paare eine Mühle kaufen zu können. Ueber ſeine Eltern und ſeinen Geburtsort hatte ſich Reinhard wenig geäußert und Fragen hiernach ſchienen ihm läſtig zu ſein. Deshalb ſchwiegen auch die Thal⸗ leute. Nur Ließchen in ihrer mädchenhaften Neugierde unterfing ſich noch einmal, ſich nach ſeiner Mutter zu erkundigen. Da antwortete er gereizt und zornig, wie vorher noch nie, ſie ſolle dieſen Namen in ihrem Leben nicht mehr ausſpre— chen. Denn dieſe Frau, log er dem Kinde vor, babe ihn verſtoßen, grauſam behandelt und enthalte ihm ſein väterliches Vermögen vor. Erſchrekt war die Leichtgläubige ſtill, ſchloß aber aus anderen dunklen Reden Reinhards, daß ſeine Mutter nicht weit von hier ſeßhaft ſein müſſe. Und ſie täuſchte ſich darin


