Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
517
 
Einzelbild herunterladen

N

n dee

er piegel

für Kun ſt, Eleganz und Mode.

Dreizehnter Jahrgaug.

Halbjähriger preis 4 fl., mit Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Kupferabdrüken 5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M. Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Wafferthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bel allen k. k. Poſtämkern.

65. Mittwoch, 12. Auguſt. 1840. 82288

Die harrende Braut.

(Fortſezung.)

Nachdem Reinhard ſeine wenigen Habſeligkeiten in einer ihm angewieſenen Kammer niedergelegt, erbot er ſich ſogleich zu allen möglichen Dienſtleiſtungen. Er ſprang Lieschen bei allen häuslichen Verrichtungen bei, holte das Waſſer aus dem Brunnen, brachte ihr Holz vom Voden, ſchürrte das Feuer auf dem Herde, führte den Greis zur Bank an der Thüre und war immer geſchäftig bald hier, bald dort. Dabei unterließ er nicht, dem Mädchen auf die artigſte Weiſe viel Schönes zu ſagen; ihre Perſon, ihren Fleiß, ihre Häuslichkeit zu rühmen, und das Alles auf eine Art, daß ſie ihm nicht zürnen, den Schmeichler nicht als zudringlich ausſchelten konnte, ſondern ſich heimlich eingeſtehen mußte, Rein⸗ hards Benehmen gegen ſie ſei doch ein ganz anderes, als das der jungen Burſche im Dorfe. So kam der Abend. Lieschen bat ſich von ihrem Vater die Erlaub⸗ niß aus, für die morgende Beerdigung der Freundin Blumen im Thale ſammeln zu dürfen. Alsbald trug ſich der Müllerburſche ſehr beſcheiden als ihren Veglei⸗ ter und Gehilfen an. Freundlich wurde dies angenommen und noch freundlicher

8 1

T