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Der alte Crébillon horchte wie verſteinert vor Schauder unb Staunen. Der Sohn fiel an den Rand des Bettes, ergriff die erkaltende Hand ſeiner Toch— ter, und bedekte ſie unter Schluchzen mit Küſſen.„Ha, was ſpricht ſie da?!“ rief endlich der alte Dichter.„Antworteſt du mir Claude? Das iſt ja ſchänd— lich, was ſie da ſpricht. Das iſt von dir, nicht wahr 2“ Er ging und verwünſchte ſeinen Sohn.— Der unglük liche Claude blieb an den Füßen des Bettes, geſtellt zwiſchen den Fluch ſeines Vaters und den ſeines Kindes, das ihn, ohne es ſelbſt zu wiſſen, ſterbend nicht minder verdammte, als jener.— Da kommt das junge Mädchen zu Sinnen, und ſieht ihren Vater in Thränen. Sanft drükte ſie ſeine Hand und ſagt:„Mein Vater! O mein Vater, weine nicht, ich las ja nicht!“

Dies waren ihre lezten Worte. Am folgenden Tag begrub man zu St. Sulpice eine Jungfrau, und Claude Crobillon wiederholte verzweiflungs— voll das Wort ſeines Vaters:„Ach, ich hatte kein Recht auf den Beſiz ei⸗ ner Tochter!“ J. N. Preyer.

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Die theuer bezahlte Unhöflichkeit.

Der Lederfabrikant Seguin, Erfinder der Schnellgerberei, hatte ſich wäh— rend der Revolutions-Kriege, in welchen er das Schuhwerk für die franzöſiſchen Heere geliefert, ein ungeheures Vermögen erworben. Sobald nach der Schre— kenszeit Ruhe und Ordnung wieder zurükkehrten, fing er an, einen ungemeſſenen Aufwand zu machen, und erregte dadurch ein großes Aufſehen in Paris, wo es ſeit der Zeit Ludwig XVI. nicht geſehen worden war, daß Jemand, wie es Se— guin that, ſechs engliſche Uſerde vor ſeinen Wagen ſpannte. Es mißfiel dies Bo— naparte ſehr, der eben Konſul geworden war; indeß gab es kein Geſez, das ei— nem Bürger der Republik unterſagte, mit einem Geſpann von Sechſen zu fahren.

Der erſte Konſul war eines Tages auf der Jagd. Durch ein Verſehen waren ſeine Equipagen nicht bei der Hand, als er nach Hauſe fahren wollte. Einer ſeiner Adjutanten erinnerte ſich, daß Seguins Landgut ganz in der Nähe wäre und eilte dahin, ihn um ſeine Pferde für Bonaparte zu erſuchen. Seguin verweigerte dieſe und erwiderte ganz kek:„Ich halte mir meine Pferde zu mei— nem Vergnügen und für mich! Bonaparte mag ſich nach ſeinen Pferden umſehen, wenn er welche braucht.“— Der erſte Konſul wurde ſehr zornig, als man ihm dieſe Antwort hinterbrachte und fragte: ob dies derſelbe Seguin ſei, welcher der Armee Leder zu Schuhen geliefert, das keinen Stich gehalten habe? Dies wur— de bejaht und er befahl, daß ſofort eine Kommiſſion zuſammentrete, um die Kriegerechnungen nachzuſehen, wonach ihm über die Lieferungen an Schuhwerk und die dafür gezahlten Summen Bericht erſtattet werden ſolle. Auf den Be— richt dieſer Kommiſſion ward Seguin angekündigt, die Republik habe zwei Mil- lionen Franks an ihm zu fordern, die er ſogleich bezahlen möge. Seguin wei— gerte ſich, dieſe Summe zu entrichten und ward daher nach dem Gefängniß St. Pelagie gebracht, da nach den franzöſiſchen Geſezen der Gläubiger ſeinen Schuldner, wenn dieſer nicht zahlt, fünf Jahre lang kann feſtſezen laſſen, wo er indeß für deſſen Unterhalt ſorgen muß, wenn es der Schuldner verlangt.— Seguin miethete ſich in St. Pelagie eine Menge Zimmer, ſah viel Leute bei ſich und lebte auf die vornehmſte Weiſe. Kaum waren aber ſechs Monate ver⸗