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ſo meinten Sle, iſt immer ein Unredlicher, und unſere Geſeze, die ſeine Stirne nicht brandmarkten, ſeien viel zu milde. Es müßte, wünſchten Sie, mitten auf der Börſe ein Schandpfahl ſtehen für Bankrotirer. Erinnern Sie ſich deſſen noch, Herr? Sie widerſezten ſich jeder gütlichen Uebereinkunft, Sie hezten die ande— ren Gläubiger meines Vaters wider ihn, umſonſt gebot Ihnen der eigene Vor— theil, ſeiner zu ſchonen, Ihr Haß war größer als Ihr Eigennuz und Sie blie— ben unerbittlich. Wir mußten den bittern Kelch bis auf die Neige leeren. Ich ſelbſt, ein armes Kind noch, mußte unter Ihrem Zorne leiden. An einem Mor— gen nahm mich meine Mutter mit; wir verließen unſer kummervolles Haus, und gingen hierher. Ach, dieſes Kabinet, ich erkenne es noch wohl; da auch die Bibliothek, die Geldkiſte von Golde ſtrozend, die jezt leer iſt. Meine Mutter warf ſich Ihnen zu Füßen, ſie bat und flehte: wenn Sie auch meinen Mann haſſen, ſagte ſie unter Thränen, wollen Sie um irgend einer Beleidigung eines Unrechtes willen, deſſen er ſich gegen Sie ſchuldig gemacht, ſeinen Untergang, ſo ſchonen Sie mindeſtens meines Sohnes, meines armen Charles; geſtatten Sie, daß dieſes Kind den Unterricht, den es genoſſen, weiter fortſezen darf: rauben Sie uns nicht jede Hilfsquelle, und da, mein Herr, ach ich erinnere mich, als wäre es heute, da ſtrekte ich armes Kind meine Hand nach einem Buche in Ih⸗ rer Bibliothek aus, ſehen Sie, es war das, ich erkenne es noch wieder, ich öff⸗ nete es, und wollte, mit meiner Mutter vereint, bitten, daß Sie mir mindeſtens die Wohlt hat des Unterrichts nicht mißgönnten.“—„Laß ihn liegen, den Ci— cero,“ riefen Sie da,„wozu brauchen Söhne von Baukrotirern etwas zu ler— nen.“—„Schimpflich wieſen Sie uns die Thüre. Doch Eines iſt Ihnen gel un⸗ gen, Herr,“ und damit warf Vermond das Buch, das er ergriffen hatte, zu Boden;„ich habe ſeitdem wenig mehr gelernt, dieſen Cicero kann ich nicht le— ſen; faſt noch ein Kind, mußte ich die Heimath verlaſſen, in der Fremde mein Brod verdienen. Ihnen war damals das Glük hold, gerade an dem Tage, wo Sie gegen uns ſo unbarmherzig waren, ward Ihnen eine Tochter geboren. Ja, es gibt Menſchen, die das Glük hart werden läßt. Von da an hatte ich nur ein Streben, nur ein Ziel, und Sie wiſſen, ich habe es erreicht. Seit langer Zeit ſind alle Schulden meines Vaters bezahlt, aber ſeine Ehrennettung, das Vermögen, das ich erworben, genügten mir noch nicht. Meine Rache lechzte nach einer Stunde, wie dieſe. Ich belauerte Sie mit dem Auge eines Falken, und es gibt eine Ge— rechtigkeit; auch an den Getretenen kommt die Minute, wo er ſeinen Fuß auf des Gegners Naken ſezen darf. Sie haben von mir nicht Gnade, nicht Mit— leid zu erwarten; alter Mann, wie Sie an meinem Vater thaten, ſo thue ich an Ihnen, kein Gold der Erde könnte mir dieſe Luſt der Nache abkaufen.“— „Meine arme Frau,“ weinte der Greis,„und meine Tochter, mein armes Kind, ach, Cäcilie, Cäcilie!“—„Und meine Mutter zu Ihren Füßen, und ich, der wehrloſe Knabe, deſſen Ihre Vosheit nicht ſchonen mochte?“—„Es wird mein Tod ſein, Herr, die Demüthigungen, die Sie auf mich zu häufen gedenken, werde ich nicht überleben.“—„So ſprach auch mein Vater zu Ih— nen; erinnern Sie ſich noch, was Sie antworteten?— Feigen und Schurken wiſſen nicht zu ſterben.“'
Während Pernon ſich in den Qualen dieſer moraliſchen Folter wand, die Vermond ihm rachedurſtig bereitete, ging die Thüre des Kabinetes leiſe auf, und ein junges Mädchen trat ein, die nichts von ihres Vaters unglük licher Lage


