479
jammerte der zu Grunde gerichtete Kaufmann,„war ich reich. Da hatte das Meer nicht meine Schiſſe verſchlungen, mein guter Glaube, mein Zutrauen wa— ren noch nicht mißbraucht worden. Damals wußte ich noch nicht, mein Wechſel ſei in Ihren Händen, aber ich hätt' es wiſſen dürfen, damals brauchte ich es noch nicht zu fürchten.“—„Ja,“ fuhr der junge Mann auf, deſſen Zorn, da ſein Schuldner ihm gegenüber ſaß, noch immer wuchs,„Ihr Wechſel iſt in meinen Händen und der, den Sie heute nicht einlöſen können, iſt noch nicht der einzige; andere hab' ich an mich gebracht, die zu Ende des Monats fällig werden, dann wieder welche, deren Verfallzeit einen Monat ſpäter herannaht. Ich bin Ihr Hauptgläubiger, Herr Vankrotirer.“
Bei dem Worte Vankrotirer erhob Michel Pernon ſein Haupt, ſeine Au— gen glänzten, aber gleich ward ſein Blik wieder matt, er ſenkte ſein graues Haupt wieder, und ſchwere Seufzer entrangen ſich ſeiner Bruſt.„Ich weiß,“ ſagte er, ich habe Neider und Feinde, die ob meines Falles frohloken, aber Nie— mand kann meine Ehre und Redlichkeit in Zweifel ziehen.“—„Ehre und Red— lichkeit eines Bankrotirers,“ lachte Vermond verächtlich.—„Glüklicher Weiſe,“ ſprach Pernon feſt,„iſt meine Redlichkeit erwieſen, alle meine Handelsoperatio— nen wurden offen betrieben, nie weilte Verſchwendung unter meinem Dache, und meine Handlungsbücher weiſen alle Verluſte nach, die ich erlitt.“—„Sie lügen,“ ſchrie Vermond, ſeinen Zorn nicht länger zügelnd,„ja, einige Handelsoperatio— nen offen betrieben, um die Geſchäfte zu bemänteln, von denen Niemand wiſſen durfte; ſparſamer Haus halt— heuchleriſche Berechnung, Zutrauen zu erha— ſchen, nachgewieſene Verluſte— ſchnödes Spiel mit dem öffentlichen Vertrauen, Ordnung in den Büchern— Vorſicht eines ſchlauen Betrügers.“—„Herr, Herr!“ rief der Greis.(Beſchluß folgt.)
——
Zum Annatag.
Den Tauſenden von hübſchen Frauen, Den ſchönen Mädchen obendrein, Ob reich ob arm, ob groß ob klein, Die dieſes Tages Wonne ſchauen,— Sei dieſes Liedchen froh geweiht: Wohl mir, wenn Alle— es erfreut!
Den Frauen wünſch' ich ſolche Gatten, Die redlich ſorgen ſpät und früh, Der Gattin Herz verſcherzen nie,
In ihrer Treue nie ermatten;
Die dieſen Tag mit froher Luſt Begrüßen an der Theuren Bruſt.
Den Mädchen einen Kranz ich winde Zu ihrem lieben Namensfeſt. Am beſten er ſich bieten läßt
Für ſie zum werthen Angebinde. Denn wie die Blumen, wie die Blüten, Erſcheinen ſie ja uns hienieden.
Die Roſe,— wahrer Schönheit Bild,— Vor Allem in dem Kranze ſtrahlt. Der Anmuth Fülle zart ſie malt,
Die aus der Unſchuld Vorn entquillt.


