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lend auf- oder zuſchauend vor der Büb— ne. Man dürfte dies wenigſtens glauben, wenn man die Korreſpondenznachrichten in den meiſten, auch den vorzüglicheren deutſchen Journalen lieſt. Jedes obſkure Bühnenmännlein und Fräulein findet ſeinen rezenſirenden Eiferer und Geife— rer, ſeinen ruhmſchmetternden Stabs— trompeter, und eine ganze Kohorte von ſchreibenden Freibillet- und Parteigän— gern, welche die tauſendmal ſchon aus— geſprochenen Kunſtphraſen zum 1001. Male umſchnizeln und umdrechſeln. Von Buxtehude und Schafſtedt werden The— aterberichte länger als ein Napoleoni— ſches Siegesbulletin nach Hamburg und Wien geſchrieben; und die Wochen- und Intelligenzblätter der naivſten deutſchen Provinzial ſtädtchen haben zwiſchen ihren Marktberichten, den zu verkaufenden Maſtſchweinen und dergleichen, ſicherlich einen Auszug aus irgend einem glän— zenden Theater-Artikel. Die wenigen Kapitol⸗Gänſe, die durch ihr Schnat— tern das Germanent hum retten und die Rheinufer gegen die Gallier bewachen wollen(3. B. der literariſch ſelige Wolf— gang Menzel), werden durch das Kri— zeln der theaterkritiſchen Federn ſchier übertäubt. Vielleicht iſt es ein Glük, daß ſo viele überflüſſige Tinte in dieſes Bette abfließt; wer weiß, welch ande— res literariſche Unglük ſonſt der zurük— getretene Schreibefluß anrichten könnte? Aber langweilig bleibt dieſes ewige Wie— derkäuen des dramatiſchen Heu's immer, langweilig wie die Schwüre zweier Lie— benden für den indifferenten Zuhörer, langweilig wie die kurzweiligſte Lieb— lings-Anek dote eines Urphiliſters.— In England und Frankreich, Länder, auf deren Bühnen Schauſpieler und Sänger erſter Größe glänzten und noch glänzen, iſt der Theaterkritik nur ein beſcheide— ner Raum in dem Feuilleton der Ta— gesblätter angewieſen, und auch die— ſer beſchäftigt ſich mehr mit dem produ⸗
zirenden Dichtwerke, falls es ein neues iſt, als mit den darſtellenden Künſtlern. Dieſe werden vom Publik um gerichtet. Ueber Garrik, Mrs. Siddons, Dem. Mars, Rubini, Lablache, Mad. Mali— bran, Nourrit und andere Bühnenhe— roen iſt ſicherlich weniger geſchrieben, als über die vielen Müber, Schmidt, Schütz und andere courante Namen deutſcher Winkeltheater.““
Mignon Zeitung.
Péle-méle aus London. Die Londoner Blätter enthalten noch eine Menge Notizen über Courvoiſier's Hin— richtung und Alle beſtätigen das rohe u. ekelhafte Benehmen des armen u. reichen Pöbels, der zuſammengeſtrömt war, um ſich an den Qualen eines elenden Böſe— wichts zu weiden. Es wurde, wie eine Zeitung ſich ausdrükt, eine gräßliche Poſſe vor der ſchauderhaften Tragödie aufge— führt. Auch an Weibern, ſelbſt gut ge— kleideten, fehlte es nicht, es wurde ge— pfiffen, geſungen, gebrüllt, und als der arme Sünder zum Blutgerüſte geführt wurde, empfing die verſammelte Menge ihn mit Verwünſchungen. Was nun ei— nen andern Böſewicht, Oxford nämlich, betrifft, ſo hat deſſen Vertheidiger, Pel— ham, nicht weniger als 110 Zeugen zu— ſammengebracht, durch deren Ausſagen er darthun will, daß in Oxford's Fa— milie der Wahnſinn erblich ſei, und daß ſchon deſſen Großvater und Vater nicht recht bei Sinnen geweſen ſeien. So viel iſt gewiß, Oxford benimmt ſich im Ge— fängniſſe, wie ein alberner Laffe und thörichter Gek. Er iſt ganz entzükt, daß bei ſeinem Verhör in Old-Bailey ſo viele angeſehene Leute zugegen waren. „Sahen Sie wohl,“ ſprach er zu Hrn. Pelham,„wie die Leute mich betrachte— ten? Meine Sache erregt großes Auf— ſehen?“ Dann fragte er:„wer der an⸗ weſende Gentleman mit dem ſchwarzen


