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ſiognomiſche Meiſterſtüte. Der liebenswürdig⸗ ſte Geſichtsausdrut malt ſich auch in deſſel⸗ ben Meiſters:„Zufriedenheit“(224, ſo wie auch ſeine andern Stüte den Stempel der Meiſterſchaft an ſich tragen.— Mara ſt o n, der in Allem 29 Stüke, die faſt alle gelungen ſind, lieferte, kann durch dieſe Produttivltät ſchon allein als Hauptſtuze der Anſtalt ange- ſehen werden. Wir bemerken darunter 25 Portraits, die ſich durch Zeichnung, Kolorit (das faſt bei jedem Stüte anders iſt), Aus- drut, Charakter n. Achnlichteit trefflich aus— zeichnen. Seine„Venezianlſche Waſſerträge⸗ rinen“(181) ſind ein hochſt anſprechendes, in allen Theilen gut ausgefuhrteö Genrebild, in welchem Architettur ſowohl als Figuren und deren Gruppirung, ſo wie alle Zuthaten Natur und Wahrheit athmen, und den vene— zianlſchen Typus lebhaft zur Schau tragen.— Bewunderung erregt auch deſſen Tizian-Ko⸗ pie(167)„der Taucher in der Wüſte“(das Original beſindet ſich in der kt. t. Akademie der ſchoͤnen Künſte in Venedig), und ſeln „Traum“(158) iſt ein Effettſtut: ein träu⸗ mendes Mädchen, voll übiger Formen, mit dem friſcheſten Kolorit ausgeführt und einer Inkarnation, wie ſie nur der Wirklichkeit ab— gelauſcht werden konnte.— Zu den prächtig⸗ ſten und kunſtvollſten Stuten der Sammlung gehören die Meiſterwerke Markos; wir möchten ihn unſern Landsmann nennen, wenn er ſich nicht durch ſeine ſo lange Entfernung vom Vaterlande gewiſſermaſſen demſelben ent fremdet hätte. Seine italieniſche Landſchaft (173), die das ungar. Nationalmuſeum für hohen Preis an fich taufte, iſt ein in allen Theilen, mit den Reizen der Natur prangen— des Kunſtwerk.— Eben ſo zeichnen ſich ſeine andern Landſchaften durch Anordnung u. Ko⸗ lorit vorzüglich aus.— Unſer Barabas beſchentte uns mit mehreren höchſt beachtens— werthenStüten, worunter vorzuglich ſeine wun⸗ derliebliche„Taubenpoſt“(93) das meiſte Auf, ſehen machte. Wir hätten nur eine etwas korrettere Zelchnung, ein lebendigeres Ko— lorit u. keinen gelben Hintergrund gewünſcht, — Sins le lieferte einige Porträts, die den tüchtigen Meiſter bewährten.— Danhau— ſer s„Mutterfreude“ 222 wird gewiß jeden Kenner überraſchen. Es iſt von hohem Kunſt⸗ werthe und hat einen tief in das Gemüth dringenden Ausdruk.— ueber dleſes Kunſtlers
„Liszt und ſeine Parlſer Freuude“ haben be— reits Kunſtrichter ihr einſtimmiges Lob abge⸗ geben, auch hier fand das Meiſterwerk, das ſich zwar durch eine etwas bizarre, aber ori⸗ ginelle Konzeption auszeichnet, die ehrenvoll ſte Anerkennung.— Neefe lieferte ein ef⸗ fettwolles Architekturbild(238); Petter zwei herrliche Blumenſtüte(249— 250); Van Haanen bewies ſeinen Meiſterpinſel in der Winterlandſchaft(112); von Perlaska treffen wir zwei mit beſonderer Reinheit aus- gearbeitete Kupferſtiche.— Noch erwäh⸗ nen wir die Werke eines Ranftl, einer Henriette Kärgling(Porträts und Stillleben, ſehr talentvoll), eines Fuſch⸗ bach, Mößmer, Gimovsòky, Ender, Clarot, Alkoniere.— Im Ganzen enthalten die 5 Säle mehr als 300 Nummern, unter denen ſich, außer den bereits erwähnten, noch manches Ausgezeichnete befindet, das uns der zu karg zugemeſſene Raum nicht zu detailliren geſtattet.— Mit dem heutigen Ta⸗ ge wird dieſe Ausſtellung geſchloſſen. Semper idem.
Schilder ſcha u. Die ſchoͤnen Schilder der Peſther Kaufläden haben ſo eben eine Bereicherung und vielleicht ihre ſchönſte Zler⸗ de erhalten. Die alt-renommirte Spezerel', Materlal- u. Farbwaarenhandlung des Hrn. C Eſchoͤgel,„zur Fortuna“, die ſeit Jahren an der Eke der Waizner- und Trödlergaſſe domi⸗ eilirte, hat dieſe Lokalität verlaſſen und das Geſchäft in das daranſtoßende Haus auf dem Rathhausplaz verſezt. Das neue Verkaufsge— wölbe ward dem Zeitgeſchmake angemeſſen neu ausgeſtattet, und vor Allen zeichnen ſich die beiden neuen Auslagebilder aus. Das Eine ſtellt die Fortuna dar, das Andere die Ankunft eines holländiſchen Kauffahrers in einem Seehafen. Dieſes Leztere iſt ein effekt⸗ volles, ſchoͤnes Tableau. Zeichnung u. Aus- ſuhrung ſind ſehr gelungen zu nennen. Land⸗ ſchaft, Architektur, Schlffweſen ſind nach der Natur, die Figuren äußerſt charakteriſtiſch gehalten u. in den Gruppirungen herrſcht Le⸗ ben und Wahrheit, ſo daß wir dieſes Bild, als Aushängeſchild, mit vollem Rechte loben tönnen. Gemalt wurde es von dem rühmlich bekannten Maler Hrn. Lakat avi in Peſth.
Beilage:„Der Schmetterling.“ Nr. 16.
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Herousgeber und
Verleger Franz Wieſen.


