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leerte Cham pagnerflaſche und Rudera von Speiſen deuteten auf ein vorher⸗ gegangenes Mahl. Nach einer Stunde brachten zwei Tragen die entſeelten Kör— per nach dem allgemeinen Krankenhauſe. Wir geben dieſen Vorfall, wie er war, ohne viele Gloſſen, denn hier ſpricht die Thatſache; jeder Leſer kann u. wird ſich dabei denken, was er will. Die Summen, für welche Scotti falſche Wech— ſel gemacht, ſind höchſt bedeutend, und die Fälſchung iſt ſo täuſchend, daß ſie ſchwer zu erkennen iſt.
Berlin. Das von Jahr zu Jahr an Intereſſe bei uns verlierende Pfer— derennen hat auch heute(am 20. Juni), wo ein Rennen ſtattfand, nur ein ſehr geringes Publikum gefunden. Mit der gewonnenen Ueberzeugung, daß dieſe Produk tionen keinen Nuzen auf die Pfer— dekultur des Landes haben, ſinkt das Ganze zur Spekulation einiger vor— nehmen Pferdeliebhaber und Roßhänd— ler herab.
Lokal-Peitung.
Theatrallſches. Die rühmlich be— kannte Athletin Mad. Seraphine Luft⸗ mann l(ſt am 1. d. auf der Peſther Bühne erſchlenen. Im Beſize einer angenehmen Ge— ſtalt, eines ſchönen proportionirten Körper baues, dem nichts an graziöſer Weiblichkeit gebricht, führt dieſe Dame Stükchen aus, die die höchſte Bewunderung erregen und den Augen nicht trauen laſſen, daß dieſe nichts wenlger als robuſten Gliedmaſſen, wirklich ſolche gigantiſche Muskulatur in ſich bergen. Ihre equlllbriſtiſchen Bewegungen verdienen ebenfalls die höchſte Aufmerkſamkeit, was Alles den einſtimmigſten Beifall hervorrief. Aber Staunen u. Grauen erregte die Kulmi— nation ihrer Kunſt, nämlich ihre lezte Piece, als ſie eine Quantität Bauſteine auf ihrem Körper wiegte, die faſt hinreichend wäre, damit das Fundament eines kleinen Hauſes zu bauen. Das iſt endlich eine Frau, auf dle man bauen könnte. O, gebt mie eine Legion ſolcher Frauen u. ich erobere die halbe Welt! — Tags darauf gab ſie ihre zweite Produk— tion im Peſther Sommertheater.
— Im ungariſchen Theater ließ ſich am 2. d. ein Phänomen der Geſangskunſt hören. Herr Erös(Start), ein Peſther, der
aber im Außlande ſeinen Ruf als Doppelſän⸗ ger(Sopran und Bariton) begründete, und in Paris, London, Berlin u. ſ. w. Aufſehen machte, erſchien zum erſten Male in ſeiner Vaterſtadt und riß auch hier, durch den in ſeiner Kehle ruhenden„Zwieſpalt der Na— tur“, Alles zur Verwunderung hin. Veſon. ders gehört ſelne Sopranſtimme zu den ab, normen Kurioſitäten unſerer Zeit. Großer Beifall. Mehrmaliges Hervorrufen. Er dankte in ungariſchen Worten.
— Der hochgeborne Hr. Baron Albert pronay, Adminiſtrator des Peſther Komi⸗ tatö, hat dem ungariſchen Theater zu Peſth dreißig Koſtüme von Tuch u. Seidenſtoffen, reich mit Gold und Silber geſtikt, verehrt.
— Zum Vortheil des beliebten Komikers Hrn. Gäde wird heute im deutſchen Thea⸗ ter gegeben:„Obenan, Zechmeiſter der Elfer.“ Parodirende Zauberpoſſe mit Geſang in 2. Akten v. Ad. v. Frankenburg. Muſit von Schindelmeiſſer. Die 15 neuen Detoratlonen, ſo wie die neue Garderobe zur Oper„Oberon“ ſind darin benüzt.— Von dem talentvollen Verfaſſer, der bereits ſeinen Beruf für Bühnenarbeiten bewährte, läßt ſich diesmal etwas ganz Beſonderes er- warten.
— Benefiz.(ungar. Theater.) Der verdlenſtvolle Regiſſeur und treffliche Schau ſpieler des ungariſchen Theaters, Ludwig Fancſy, hat heute ſeine Einnahme. Er wählte hiezu, das bei ſeiner erſten Aufführung mit ſo ungetheiltem Beifalle aufgenommene Drama in 5 Akt. betitelt:„Luiſe Lig ne— rolles“, nach dem Franzboſiſchen der Her— ren Dinaux u. Legouve von Emerich Tompa. Es läßt ſich erwarten, daß der wakere Bene, ſiziant in der Wahl dieſes trefflichen, effekt ⸗ vollen Werkes ſeine Rechnung finden werde.
Benefiz.(Ofner Arena.) Der mlt ſo ungetheiltem Beifalle hier gaſtlrende, ſchäz⸗ bare Komiker, Hr. Seufferth, hat Dien⸗ ſtag, den 7. Juli ſein Beneſiz, wobei die ſehr unterhaltende Poſſe v. Neſtroy:„Dire i ßig Jahre aus dem Leben eines Lumpen“ gegeben wird.
Modenbild. Uro. 28. Parks, 12. Junl. Kapote von Poult de Sole. Kleid mit Rouleaux aufgepuzt.— Neneſte Kinderanzüge.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


