1. September.

rhiermedieinische Rundschau ete. 275

Consequenz zu einer der segensreichsten Einführungen für die Menschheit führte.

Schon seit Alters her hatte man beobach- tet, dass das einmalige Ueberstehen dieser Krankheit das betreffende Individuum gegen eine spätere Infection schützt, und so war der Weg zur künstlichen Immunisirung gegeben. Die ersten Versuche auf diesem Gebiete wurden denn auch so angestellt, dass man bei Gelegenheit einer gerade milde verlaufenden Epidemie das Pockengift den zu Schützenden absichtlich einimpfte, um sie so gegen die etwa später kommenden schwerer ver- laufenden Epidemien zu schützen Mlein dieses Vorgehen war denn doch mit so grossen Gefahren und schweren Verlusten verknüpft, dass es allgemeinen Fingang nicht finden konnte. Die weitere Ausbildung dieser Methode durch Jenner bis zu dem Grade der Vollkommenheit, wie sie heute in fast allen civilisirten Staaten gesetzlich durchgeführt ist, brauche ich Ihnen hier nicht weiter auszuführen; sie ist Gemeingut geworden. Von da an, von der Jeuner'schen Schutzimpfung, trat eine lange Pause in der erfolgreichen Bearbeitung der künstlichen Schutzimpfung ein.

Eine neue Epoche begann erst, als man den Boden der Empirie verliess und sich dem exacten wissenschaft- lichen Thierexperiment zuwandte. Dies geschah in dem Jahre, als Pasteur die wissenschaftliche Welt durch die Mittheilung überraschte, dass es ihm gelungen sei, ein Verfahren zu finden, um Thiere gegen verschiedene Zoonosen, die Hühnercholera und den Milzbrand, künst- lich zu schützen.

Es war dies das erste Beispiel, wo auf Grund des Experimentes mit Reinculturen practische Erfolge erzielt wurden.(Schluss folgt.)

H. Buchner: Ueber den Einfluss des Lichtes auf Bacterien.(Vorgetragen am 24. Juni 1892.)

Eine Reihe von Versuchen, welche ich im Laufe der letzten Monate gemeinschaftlich mit Herrn Dr. Franz Minck angestellt habe, ergab einen ungemein rasch tödtenden Einfluss des Lichtes auf die im Wasser suspen- dirten Bacterien. Einige nähere Angaben hierüber wur- den kürzlich im Centralblatt für Bakteriologie publicirt und es wurde daselbst zur Erläuterung darauf hinge- wiesen, dass bei im Wasser vertheilten Keimen jede ein- zelne Bacterienzelle direct vom Sonnenlicht getroffen wird, während bei den Experimenten früherer Autoren über Lichtwirkung in der Regel Massenculturen zur An- wendung kamen, wobei naturgemäss die oberflächlichen Schichten den tieferen gegen den Lichteinfluss bis zu einem gewissen Grade Schutz gewährten.

Wenn dies richtig war, dann musste es auch in festen Nährsubstraten, in Nährgelatine und Nähragar gelingen, den rasch tödtenden Einfluss des Lichtes auf Bacterien nachzuweisen, vorausgesetzt nur, dass dieselben in diesen Medien gleichmässig suspendirt und so dem Lichteinfluss direct ausgesetzt wurden. Diese Voraussetzung hat sich bei Fortsetzung der Versuche vollkommen bestätigt. Es giebt kein einfacheres Mittel als die Suspendirung der Bacterien in einem festen Nährsubstrate, um den EFin- fluss des Lichtes auf dieselben in überzeugender Weise zu demonstriren.

Da in erster Linie Versuche mit directem Sonnen- licht in Betracht kommen, so empfiehlt sich die Anwen- dung von Nähragar wegen ihrer Strengflüssigkeit. Ge- wöhnliche alkalische Fleischpeptonagar wird zuerst durch Kochen verflüssigt, bei 400 gekühlt, dann mit einer be- stimmten Bacterienart(Typhusbacillus, B. coli comm., pyocyaneus, prodigiosus, Choleravi- brio etc.) geimpft, die Aussaat gleichmässig vertheilt und das Agar in eine Glasschale mit Rand ausgegossen. Nach eingetretener Erstarrung befestigt man ein Kreuz aus schwarzem Papier(oder Buchstaben u. dgl.) an der Unterfläche der mit dem zugehörigen Deckel und mit einem ringförmigen Gummiband verschlossenen Agarplatte

und exponirt letztere, die Unterfläche nach oben ge- richtet, für 1 1 ½ Stunden dem directen oder für 5 Stunden dem diffusen Tageslicht. Nach dieser Zeit über- lässt man die Platte an einem dunkeln Orte ihrer Ent- vickelung. Nach 24 Stunden erscheinen dann(wie die demonstrirten Präparate erkennen lassen) die aufgekleb- ten Buchstaben vollkommen scharf, gebildet von den zur Entwickelung gelangten Bacteriencoſonien, während der ganze übrige Theil der Platte steril bleibt.

Man könnte daran denken, ob nicht ein verschiedener Temperatureinfluss bei den beschatteten und pelichteten Keimen für den Erfolg mit maassgebend sei. Da jedoch Agarplatten, die am Grunde eines 0,5 m tiefen Wasser- behälters dem Sonnenlicht exponirt wurden, den Einfluss des Letzteren in ganz gleicher Weise erkennen liessen, so halte ich hiermit diesen Finwand für widerlegt. Gleichzeitig lehrt letzterer Versuch, dass beim Durch- gang des Lichtes durch Wasser seine Wirksamkeit auf Bacterien keine Einbusse erleidet, ein Punkt, der für die Selbstreinigung der Flüsse und Seen von Wichtigkeit ist.

(Münchn. med. Wochenschr.)

Laborde hielt am 5. d. M. in der Pariser Académie de Médicine einen Vortrag über Wiederbelebung Er⸗ trunkener und empfahl, die erloschene Respirationsthä- tigkeit d urch rhytmische Züge an der Zunge an- zuregen. Fine Hand hält den Mund weit offen und drückt mit einem Löffel gegen den Zungengrund, die andere fasst die Zungenspitze mittelst einés Taschentuches und macht im Tempo der Respiration starke Bewegungen nach vorn und rückwärts. In zwei Fällen, in denen die üblichen Versuche im Stich liessen, habe dies einfache Vorgehen Rettung gebracht. In der Diskussion wurde der Wunsch geäussert, dass diese Methode zur allgemeinen Kenntniss gelange und an allen Rettungsstationen ein bezüglicher Anschlag gemacht werde.

Porsonalien.

Anstellunges und Ernennungen. Thierarzt Otto Schu- berth, zur Zeit in Horka, die comm. Verwaltung der Kreisthierarztstelle für den Kreis Rothenburg O.L.

Verlag von Wilhelm Knapp in Halle a. S.

Anleitung

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Anfänger. Herausgegeben von G. Pizzighelli, K. u. K. Major der Genie-Waffe. 4. Auflage. Mit 166 Holzschnitten. Taschenformat. 1892. In Leinw. geb. Preis 3 Mk.