1. September.
Thiermedicinische Rundschau etc. 273
Gaben von Brechweinstein und Mittelsalzen mit gutem Erfolge.
Bezirksthierarzt Schweinhuber Stadtstei- nach erzielte durch innerliche Gaben(per 08) 0,3 bei Indigestionen des Rindes sehr gute Er- folge.
5 dem Berichte des Bezirksthierarztes Hintermayr Dillingen war der Erfolg des Pi- locarpins bei Verdauungsleiden des Rindes zu- friedenstellend, indem jedesmal Besserung er- zielt wurde. e
Praktische und therapeutische Machrichten.
—fine neue Behandlungsmethode des Wundstarr- krampfes ist kürzlich von italienischen Gelehrten erprobt und nach dem„Ind. Bl.“ mit dem besten Erfolge zu Ende geführt worden.— Der Wund- starrkrampf wird, wie bekannt, durch Eindringen von Tetanusbacillen in eine Wunde hervorge- rufen, und seine charakteristischen Hauptsymp- tome bestehen in einer Muskelsteifheit und in der Regel in einer ganz abnormen Temperatur- erhöhung des Organismus. Es ist nun bereits Seit längerer Zeit bekannt, dass das Blut der gegen Tetanus unempfänglichen Kaninchen die Eigenschaft besitzt, diejenigen giftigen Substanzen, weiche von den Tetanusbacillen erzeugt werden, zu vernichten. Diese Figenschaft ist von so dauerhafter Natur, dass sié auch im Organismus anderer Thiere wirksam ist, ein Umstand, der geeignet ist, durch PTransfusion von Blut oder Blutwasser der genannten Thiere heilsame Wir- kungen berbeizuführen. Wie vielfache Experi- mente gezeigt haben, ist es auf diese Weise ge- lungen, Mäuse nicht nur vor Erkrankung zu Schützen, sondern auch Heilung bei denselben zu erzielen, selbst in Fällen, in welchen bereits mehrere Extremitäten starr geworden waren und nach sonstigen Erfahrungen unbedingt der Tod eingetreten wäre. Die Wirkung des Blutes bezw. des Blutwassers von gegen Wundstarrkrampf immunen Thieren hat nunmehr nach neueren Erfahrungen auch für die Behandlungsmethode des Tetanus bei Menschen grosse Bedeutung ge. wonnen. Es ist nämlich dem Italiener Tizzoni gegluckt, die wirksame Substan?, das Gegengift des Tetanusgiftes, durch Fällung des Blutwassers mit Alkohol und durch Austrocknung des Nieder- schlages im leeren Raume in festem Zustand zu erbalten und seine immunisirende und heilende wirkung durch Experimente festzustellen. Aber die Wirksamkeit des neuen Behandlungsverfah- rens ist auch bereits an vier Menschen erprobt worden. Die tetanisch erkrankten Personen er hielten 20 bis 25 gr des wirksamen Stoffes, und bei sämmtlichen Personen sind die Krankheits-
erscheinungen allmählich verschwunden. (Rundsch. f. Pharm., Chemie etc.)
Kleine Mittheilungen.
— Ueber den gegenwürtigen Stand der Lehre von der specifschen Schutzimpfung und der specifischen Heilung der Infectionskrankheiten, mit einigen Thier- demonstrationen. ¹) Vortrag, gehaiten in der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, Montag, den 23. Mai 1892. Von Dr. Wassermann.
M. H.! Das Thema, welches ich heute besprechen will, steht gegenwärtig im Vordergrunde des Interesses der medicinischen Wissenschaften, ja ich kann mich sogar etwas weiter fassen und vielleicht sagen, mit im Vorder- grunde des allgemeinen Interesses, seitdem durch die epochale Erfindung des Tuberculins von Rob. Koch gezeigt wurde, dass wir im Stande sind, die giftigsten Ricrobien, oder doch wenigstens ihre Producte, im lebenden Organismus selbst, künstlich zu beeinflussen.—
Seit dieser Zeit ist dieser Gegenstand nicht mehr von der wissenschaftlichen Tagesordnung verschwunden. M H. die acuten InfectionskKrankheiten haben ja von jeher, wem mir der Ausdruck ge- stattet ist, gewissermassen den Vorzug gehabt, die populärsten Krankheiten zu sein. Sie besitzen Eigen- thümlichkeiten, die sie von allen anderen Krankheiten unterscheiden und schon von jeher sogar die Aufmerk- samkeit der Laien auf sich gelenkt haben.
Da ist vor allem der überaus typische und specifi- sche Verlauf dieser Affectionen. Nehmen wir als Beispiel einen der häufigsten Vertreter dieser Klasse, die acute Lungenentzündung, die Pneumonie.
in ihrem Bilde hat sich seit den noch heute als klassisch geltenden Beobachtungen von Hippokrates und der ältesten Beobachter bis auf unsere Tage nichts geändert. Sie beginnt in den leichten uncomplicirtesten Pällen, damals wie heute, mit Schiüttelfrost, der selbst die vordem kräftigsten und blühendsten Individuen unter gewaltiger Prostration auf das Krankenlager wirft. Dann folgt die Periode des hohen Fiebers mit den anderen steis gleichen, Ihnen bekannten Krankheitserscheinungen. Da plötzlich kommt eine Veränderung des gesammten Bildes. Am Abend haben die Angehörigen den Schwer- kranken ängstlich verlassen, wie er mit klopfenden Pulsen, schwer athmend, unter hohem Fieber sich ruhe- los umherwirft. Des Morgens finden wir unseren Patienten von alledem frei. Der Athem ist ruhig, und die Tempe- ratur ist zur normalen Höhe zurückgekehrt, der Durst hat sich gelegt, kurz, das ganze subjective Befinden des Kranken ist ein derart gutes, dass er selbst sich als genesen fühlt und häufig bereits den Wunsch äussert, wieder seiner gewohnten Beschäftigung nachzugehen. Mit anderen Worten, die Krise ist eingetreten.
Sie können sich denken, dass diese gewaltige Kraft- äusserung der natura sanans nicht spurlos an den Be- obachtern vorüber gegangen ist. Man fühlte schon seit Alters, dass man hier etwas Besonderem gegenüberstehe. Noch mehr wurde dieses Gefühl hervor- gerufen, als es sich herausstellte, dass fast alle diese Krankheiten gewöhnlich nicht sporadisch regellos auf- traten, sondern vielmehr in Form von allgemeinen Epi- demien, ja sogar sehr oft von Pandemien, mit anderen Worten, dass sie von einem Indiyiduum auf das andere übertragbar sind, und dann bei diesem wieder genau denselben Verlauf nehmen.
Alles dieses deutet darauf hin, dass pei diesen Affectionen ein ganz bestimmtes schädliches Agens, eine Noxe von aussen in den Organismus eintritt und hier diese gewaltige Kraftäusserung hervorbringt. Und so lange es eine wissenschaftliche Medicin giebt, haben sich denn auch die besten Geister und Vertreter derselben abgemüht, über diese räthselhaften Krankheits-
1) Abdruck aus der deutschen Medicinal-Zeitung 1892, No. 54.
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