1. September.
Thiermedicinische Rundschau ete. 271
dieser abnormen Ernährungsweise weit weniger berührt, wofür das Original in den bier nicht mitgetheilten Specialtabellen Belege bringt.
Ueber Arzneiwirkungen. Aus den Jahresberichten der bayerischen Thierärzte pro 1890. Gossypium depuratum.
Bezirksthierarzt Vincenti- Miesbach em- pfiehlt die gereinigte Baumwolle zum Finbringen in den Uterus als Aufsaugungsmittel von jauchigen Flüssigkeiten. Die nachherige Ausspülung mit desinficirenden Flüssigkeiten werde wesentlich unterstützt.
Ichthyol.
Bei 2 wegen Fczema behandelten Hunden hat Bezirksthierarzt Krautheim-Krumbach mit der Anwendung der Ichthyol-Vaseline einen wunderbar raschen Erfolg erzielt. Unangenehm ist der Geruch, welcher übrigens die Thiere vom Lecken abhält.
Jodoform.
Distriktsthierarzt Westermaier-Weissen- horn berichtet, dass nach harten Geburten, welche von Metritis und Vaginitis gefolgt waren, in die Scheide beziehungsweise den Tragsack einge fuhrte Jodoformboli(aus Jodoform mit Kakao- butter) sich als sehr wirksam erwiesen hätten.
Jodolum.
Bezirksthierarzt Weigenthaler-Starnberg hat das Jodol in der Wundbehandlung, nament- lich bei Gelenkwunden, ausserordentlich schätzen gelernt. Bei einer grösseren Zahl von sehr schmerzhaften Gelenkverletzungen mit reichlichem Ausflusse von Synovia wurde durch Anwendung von Jodolpulver innerhalb 24 Stunden Entzün- dung und Schmerz erheblich verringert und der Ausfluss von Synovia sistirt. An Stellen, wie an der Hinterkniescheibe, an denen ein Verband nicht angebracht werden kann, ist die Gelenk- wunde stündlich mit Jodol bedeckt und bestäubt worden.
Karlsbader Salz.
Bei den akuten Darmkatarrhen hat das Karlsbader Salz die bekannte vorzügliche Wir- kung in der Regel geäussert. Dieses billige Mittel hat überhaupt auch in anderen Fällen recht gute Dienste geleistet, wo man sie eigent lich weniger erwartete.— Ein 6 Wochen altes Kalb litt schon seit 10 Tagen an heftigem Er- brechen, ohne dass Hilfe beansprucht war. Das- selbe war hochgradig abgemagert, sträubte die Haare, war tympanitisch aufgetrieben und be- hielt die in jeglicher Form verabreichten Futter mittel nicht bei sich. Das Erbrochene zeichnete sich durch einen ungewöhnlich üblen Geruch aus. Die in Anwendung gebrachten innerlichen Mittel(Opium, Rheum, Naphtbalin, Creolin, Kalk wasser ete.) blieben ohne erhebliche Wirkung,
nur auf täglich dreimaliges Verabreichen eines Kaffeelöffelchen voll genannten Salzes trat schon in den nächsten Tagen eine solche Besserung ein, dass kleinere Mengen Futter ertragen wurden. Auch die vorher in abwechselnder Consisten? ab- gesetzten Darmentleerungen näherten sich bald mehr einer normalen Beschaffenheit in Form, Farbe und Geruch. Auch bei einem an chroni- schem Erbrechen leidenden Stiere habe ich das Mittel mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ein ca. 13— 14 Jahre alter Schimmelwallach eines Mühlenbesitzers litt schon längere Zeit an einem mit starkem lHarnzwang verbundenen Blasen- katarrhe. Durch längere Zeit verabreichtes Karlsbader Salz wurde dieses Uebel so gebes- Sert, dass vollständige lleilung zu erwarten steht. Distriktsthierarzt Frank-Speyer.
Die Lugol'sche Lösung.
Die Lugol'sche Jod-Jodkalium-Lösung hat Bezirksthierarzt Notz-Garmisch wie im Vor- jahre bei allen septischen Processen, namentlich aber bei Septicaemia puerperalis wiederholt zur Anwendung gebracht und stets sehr befriedigende Resultate erzielt. Besonders möchte erwähut sein, dass neben der Ausspülung der von der Nachgeburt befreiten Gebärmutter mit Jodwasser (4 Löffel Lugol'scher Lösung zu 4 Liter Wasser), dem vortheiluaft etwas Creolin beigefügt wird, die innerliche Verabreichung der besagten Lösung (täglich bis zu 100,0 auf 4— 6 mal mit je 1 Flasche Wasser vermischt) als nothwendig zur raschen Förderung des Heilzweckes befunden wurde.— Die innerliche Anwendung der Lugol'schen Lö- sung hat sich ferner sehr nützlich gezeigt bei Peritonitis und bei Magen-Darmerkrankungen, wenn ein anhaltendes Fieber bei vorherrschender Kälte der extremitalen Pheile und stark be- schleunigtem Pulse zugegen war. Die genannten Erscheinungen erfuhren dann sehr bald eine Reduction.
Monochloressigsäure.
Bezirksthierarzt Igl-Kemnath empfiehlt die 30% ige Monochloressigsäure zum Aetzen von Warzen, Fleischwucherungen und Krebswuche- rungen. Dieselbe hinterlässt nach öfterem Ge- brauche cine gut ausschende und bald abheilende Wundfläche.
Naphthalin.
Bei Verwundungen, namentlich bei soleheu, wo ein Verband nicht gut angebracht werden kann, äusseren Fleischwunden, Verletzungen der Scheide während des Gebäraktes bei Rindern u. s. w., wurde vielfach neben Creolinwaschungen das Naphthalin in Anwendung gebracht, und zwar mit so gutem Erfolge, dass dieses Mittel nach Ansicht des Distriktsthierarztes Karl-Monheim in Bezug auf Desinfektion, Erzeugung und För-


