Catalog No. 6141 b.
Bd. VI. No 23.
Herausgeber Dr. 6. Scheidemähl
in Breslau.
Thiermedicinische
W mit è Expedition Wi. LMnd's Verleg
besonderer Berücksichtigung der
1891002.
Halle a. 8.
vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.
leichzeitig Organ zur Vertretung der Interessen des Uierärzllichen Stanes.
Neue Folge der im Jahre 1885 begründeten„Rundschau auf dem Gebiete der Thiermediein“. Postzeitungs- Cutalog„No. 9141 b.
Die Rundschau erscheint alle 14 Tage in der Stärke von mindestens 1 ½ Bogen. Der Abonne- mentspreis beträgt 2,50 MR. pro Vierteljahr, Ein-
9 Beiträge fir den redactionellen Theil wolle
man direct an den Herausgebper Dr. Schneide-
mühlin Breslau, Annoncen an den Verleger Wilh.
zelnummer 75 Pf. Man abonnirt bei Wilhelm Den 1. September 1892. Knapp in Halle a. S. senden. Inserate werden
Knapp in Halle a. S., bei jeder Buchhandlung, sowie bei den Postanstalten unter Postzeitungs-
mit 30 Pf. die 3gespaltene Petitzeile berechnet. hoher Rabatt. Beilagen Mark.
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mhalt. Konrad Alt: Die Taubenzecke als Parasit des Menschen.— H. Weiske: Uebt anhaltende Auf- nahme von Siuren Mineralsalzen einen Pinfluss auf das Körpergewicht der Thiere und auf die Zusammensetzung
der Knochen aus?— Ueber Arzneiwirkungen.— Eine neue
Mittheilungen.— Personalien— Anzeigen.
Behandlungsmethode des Wundstarrkrampfes.— Kleine
„Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten.“ (Reichsgesetz v. I1. Juni 1870.)
Die Taubenecke als Parasit des Menschen.) Von Kourad Alt.
Der französiache Marinearzt Dupré berichtet in seiner persischen Reisebeschreibung') aus dem Jahre 1809 über eine in Miana in Persien vor- kommende Zecke, Argas Persicus Miana, von den Einwohnern„Malleh“ genannt, deren Biss sehr gefährliche Znfälle, insbesondere lang- wieriges Siechthum verursachen soll. M. Kotze- buesh, der in der russischen Gesandtschaft im Jahre 1817 ebenfalls Persien bereiste, bestätigt diese Angaben vollauf und theilt einige Fälle mit, in denen der Biss des genannten Insectes den TPod der davon Betroffenen herbeiführte. Er erwähnt auch des merkwürdigen Umstandes, dass ploss bei Fremden diese gefährliche Wir- kung eintrete, während Einheimischen das Gift der Zecke unschädlich sei.
Eine genauere Beschreibung und Abbildung dieses gefährlichen Parasiten, der zur Klasse der Spiunenthiere und der Ordnung der Milben ge- hört, verdanken wir Fischer³) von Waldheim, der ebenfalls von der Gefährlichkeit der„Punaise venimeuse de Miana“ zu berichten weiss. Camil! Heller') hat die Anatomie des genanuten Schmarotzers des eingehendsten studirt und ge- schildert. Er ist übrigens nicht geneigt, an die Giftigkeit des Zeckenbisses zu glauben und
möchte die diesbezüglichen Schilderungen theil- weise auf Uebertreibung und theilweise auf zu- fällig sich hinzugesellende Wundkrankheiten zurückführen.
In einigen europäischen Ländern, haupt- sächlich in Ltalien, Frankreich und Deutschland lebt ein sehr naher Verwandter dieses gefähr- lichen Schmarotzers, der seinem persischen Vetter in Bezug auf Gestalt und Lebensgewohnheiten ausserordentlich gleicht. Es ist der von dem französischen Zoologen Latreilles) zuerst be- schriebene und später von Gerstaekers) ge- nauer studirte Argas reflexus, zu deutsch die TPaubenzecke benannt, weil sie vornehmlich auf jungen Tauben schmarotzt, welche oft durch diese Plage zu Grunde gerichtet werden. Wird dem Parasiten seine gewöhnliche Nahrung durch Aussterben eines Taubenvolkes oder dergl. a. entzogen, so wandert er aus den verödeten Taubenschlägen aus und befällt den Menschen.
Eine diesbezugliche Beobachtung hat der westphälische Arzt Dr. Boschulte) aus Camen i. W. im Jahre 1860 veröffentlicht.
Er wurde im Frühjahr 1890 von einer Familie consultirt, in der mehrere Mitglieder von dem genannten Thiere gebissen worden waren. Wäh-
*) Vortrag, gehalten im Verein der Aerzte zu Halle a. S. am 13. Jali 1892.(Münch. med. Wochenschr. 1892.)
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